El tiempo nublado [Arami Ullón]

Von Jonas Ulrich [ Sélection CINEMA ]


Arami Ullón lebt seit zehn Jahren in der Schweiz, arbeitet als Regisseurin und lebt glücklich mit ihrem Freund Patrick zusammen. Da erhält sie Nachricht aus Paraguay: Ihrer Mutter geht es sehr schlecht und die Pflegerin Julia kommt mit der Situation nicht mehr zurecht. Widerwillig reist Arami zurück in ihre Heimat, um nach ihrer Mutter zu sehen. Dem Zuschauer offenbart sich eine tragische Familiengeschichte: Vom Vater verlassen, musste sich die Tochter schon als Kind um ihre an Epilepsie leidende Mutter kümmern, bis sie sich als Erwachsene mit der Situation nicht mehr abfinden wollte und in die Schweiz auswanderte. Soll sie jetzt erneut alles Erreichte für ihre Mutter aufgeben? 

Bei El tiempo nublado handelt es sich zweifellos um einen der persönlichsten Dokumentarfilme, die in letzter Zeit hier zu sehen waren. Regisseurin Ullón rückt ihre eigene Familiengeschichte ins Scheinwerferlicht und stellt sich selbst gnadenlos bloss. Sie befahl ihrem Kameramann buchstäblich, auch in emotional schwierigen Momenten nicht aufhören zu filmen, wodurch der Film eine eindrückliche Nähe und Unmittelbarkeit erhält. Wenn wir etwa zusehen, wie Arami verzweifelt auf die Wände ihres Appartements einschlägt oder in der Toilette weinend zusammenbricht, vergisst man leicht, dass sie nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch Filmemacherin ist. 

Die Kameraarbeit von Ramòn Giger kommt überaus filmisch daher und schafft eine sehr dichte Atmosphäre: Ohne aufdringlich zu wirken, findet die Kamera immer wieder effektvolle Perspektiven und fängt sensationelle Lichtstimmungen ein. Zusammen mit der Musik, die entfernt an den Babel-Score von Gustavo Santaolalla erinnert, fühlt sich El tiempo nublado überhaupt wie ein Spielfilm an und präsentiert dem Zuschauer eine flüssige, ungebrochene Handlung – nur eben mit dem Wissen im Hinterkopf, dass alles echt, nichts gestellt ist. 

Einerseits ist der Film stark in seiner Umgebung in Paraguay verwurzelt – kritisiert er etwa das dortige Gesundheitssystem – andererseits spricht Ullón ein universelles Thema an: Was tun, wenn sich unsere Eltern nicht mehr um sich selbst kümmern können? Wo zieht man die Grenze zwischen dem eigenen Wohl und der Verantwortung denen gegenüber, die uns grossgezogen haben? Diese Fragen behandelt Ullón auf nuancierte und emotionale Weise, wobei sie das Medium Film sozusagen als Therapie zwischen ihr und ihrer Mutter fungieren lässt. Und ganz nebenbei bestätigt sie mit El tiempo nublado eine alte Weisheit: Autobiographische Stoffe geben oft das beste Debütwerk ab. 


PRODUKTION: Cineworx Filmproduktion GmbH (Zürich), Arami Ullón. BUCH: Arami Ullón. REALISATION: Arami Ulló. KAMERA: Ranòn Giger. TON: Oswald Schwander. SCHNITT: Mirjam Krakenberger. MUSIK: Marcel Vaid. VERLEIH: Cineworx GmbH (Zürich). WELTVERTRIEB: Film Republic (London). 
HD, Farbe, 92 Minuten, Spanisch/Englisch/Deutsch.

17.10.2014, 14:15 | Permalink

Love Island [Jasmila Žbanic]

Von Jonas Ulrich [ Sélection CINEMA ]


Zwei Meerjungfrauen tanzen lasziv zum Rammstein-Lied «Du Hast». Zwar nur eine Traumsequenz, zeigt die Szene jedoch deutlich, dass von Love Island kein fades TV-Beziehungsmelodrama erwartet werden muss. Regisseurin Jasmila Žbanic erzählt mit farbenfroher, verspielter Inszenierung die Geschichte von Grebo, der die Ferien mit seiner schwangeren Frau Liliane in einem idyllischen Inselparadies verbringt. Die traute Zweisamkeit wird gestört, als Grebo bei einer Karaoke-Party der verführerischen Flora über den Weg läuft. Er fühlt sich sofort von der rothaarigen Deutschen angezogen, vermag dies aber vorerst zu verbergen. Was Grebo nicht weiss: Auch Liliane und Flora kennen sich und haben eine gemeinsame Vergangenheit.

In ihrem vierten Spielfilm macht die Bosnierin Žbanic vieles richtig: Neben einem sympathischen Hauptdarsteller (Ermin Bravo) und einem liebenswürdigen Setting im Ferienresort-Mikrokosmos inklusive witzigen Nebenfiguren (Franco Nero!), verfügt der Film über einen zackigen Erzählrhythmus. Das «comic timing» ist auf den Punkt gebracht und die Situationskomik mag plump daherkommen, geht aber in den meisten Fällen auf.

Das Problem liegt weniger an der Umsetzung als am Grundkonstrukt der Story. Diese wirkt nämlich, als wäre sie direkt einem schnulzigen Erotikroman entnommen, den man für 10 Franken am Bahnhofskiosk kauft. Der Plot ist eine reine Männerfantasie: Der Ehemann verbringt die Ferien mit der schönen Frau auf einer paradiesischen Mittelmeerinsel und trifft dabei auf eine ebenso schöne Unbekannte, die – oh holder Zufall – nicht nur eine ehemalige Pornodarstellerin, sondern auch die Ex-Geliebte der Ehefrau ist.

Insbesondere bei einer Regisseurin wie Žbanic hätte man da einen interessanten Twist, ein Spiel mit den gängigen Rollenmustern erwarten. Doch nichts dergleichen wird geboten. Das Szenario verläuft trotz inszenatorischem Einfallsreichtum genau so, wie man es sich ausmalt – inklusive der Szene, wo der Ehemann die beiden Frauen im Bett überrascht. Geschlechterpolitische Ansätze scheinen Žbanic nicht gross interessiert zu haben, und der Film versucht nirgends mehr als eine unterhaltsame Komödie sein. Einzig in der Schlussequenz bekennt der Film gewissermassen Farbe und leistet ein (ziemlich einfältiges) Plädoyer für die Freiheit und Vielfalt der Liebe. Dies ist allerdings derart überzeichnet und in Bollywood-Manier vorgetragen, dass man dem Film diese Einfältigkeit kaum übelnehmen kann. Um es mit einem anderen Rammstein-Song zu sagen: Liebe ist für alle da!


PRODUKTION: Ziva Produkcija (Zagreb), Komplizen Film (Berlin), Okofilm (Schweiz). BUCH: Aleksandar Hemon, Jasmila Žbanic. REALISATION: Jasmila Žbanic. KAMERA: Christine A. Maier. TON: Igor Camo. SCHNITT: Isabel Meier. MUSIK: Balz Bachmann. WELTVERTRIEB: The Match Factory (Cologne). 
HD, Farbe, 86 Minuten, Englisch/Kroatisch/Bosnisch.


17.10.2014, 11:54 | Permalink

The Sound of Crickets [Justine Klaiber]

Von Thomas Hunziker [ Sélection CINEMA ]


Helle Flecken tanzen auf einer gelb-orangen Fläche, dazu ertönt das Zirpen von Grillen. Der Animationsfilm The Sound of Crickets von Justine Klaiber beginnt mit diesen Sinneseindrücken der Protagonistin: Ein Mädchen liegt mit geschlossenen Augen in einer sommerlichen Wiese. Regisseurin Klaiber taucht in ihrem Kurzfilm tief in die Wahrnehmung dieses Mädchens ein. So idyllisch und fröhlich wie die ersten Eindrücke erscheinen, so bedrückend erweisen sich die folgenden Momente.

Das Mädchen fängt eine Grille und bewundert sie. Stolz zeigt sie den Fang ihrer Mutter. Doch diese zeigt keine Freude am Spieltrieb des Mädchens. Mit unerbittlicher Wucht schlägt sie ihm die Grille aus der Hand. Dunkles Grau ersetzt die zuvor goldgelb strahlenden Felder. Die Unterdrückung des Freiheitstriebs des Mädchens setzt sich in der Folge fort. Eine vom Zirpen der Grillen inspirierte Melodie auf dem Klavier wird durch einen Stockschlag auf die Hände unterbrochen. Die Mutter erwartet Musik nach Noten. Ebenso verboten ist eine Planscherei in der Badewanne. Und der Griff nach dem Tennisschläger wird mit einer Ohrfeige und dem Abschneiden der Haare bestraft.

Mit jeder Züchtigung des Mädchens ergiesst sich ein immer bedrohlicher blubberndes Grau auf ihre Seele. Schliesslich droht das Mädchen, in den Demütigungen der Mutter zu ertrinken. Doch als es erneut eine Grille gefangen hat, nimmt es all seinen Mut zusammen und tritt mit unerschütterlichem Willen der Mutter entgegen. Im Kampf gegen den Strom einer klebrig erdrückenden Masse setzt das Mädchen seine Kräfte frei. Die Emanzipation der Tochter wird endlich akzeptiert.

Justine Klaiber hat in ihrer Bachelor-Arbeit für die Hochschule Luzern ein heikles Thema stilsicher und mitreissend umgesetzt. Die Gegensätze zwischen kindlicher Entdeckungsfreude und elterlicher Gewalt setzt die Filmemacherin durch die Kontraste von verlockend strahlenden Wiesen und einer düster umschlingenden Dunkelheit um. Die Trennlinie verläuft dabei entlang von Aussen und Innen: während die weiten goldenen Wiesen die Freiheit repräsentieren, wird die Bedrohung durch die Mutter im Haus durch kalte Grün-, Blau- und Violetttöne dargestellt. Von aussen dringen zwar immer wieder Sonnenstrahlen ins Haus, doch die Dominanz der Mutter sperrt diese Lockrufe der Freiheit konstant aus. Klaiber vermittelt durch diese Stilmittel die Gefühlswelten ihrer Hauptfigur und erlaubt dadurch sehr direkt die Wahrnehmung der Bedrohung durch die ungerechten Bestrafungen. Die 2D-Computeranimation ist durch klare Linien gekennzeichnet, die dennoch durch Unschärfen und Aussparungen im Hintergrund ein stimmungsvolles und vielschichtiges Ambiente hervorrufen.


PRODUKTION: Hochschule Luzern. 2014. BUCH, REALISATION, KAMERA, SCHNITT: Justine Klaiber. TONSCHNITT: Evelyn Buri. TON: Evelyn Buri, Christof Steinmann. MUSIK: Andreas Bissig. VERLEIH, WELTRECHTE: Hochschule Luzern.
 HD Cam, Farbe, 6 Minuten, ohne Dialoge.

17.10.2014, 11:45 | Permalink

Das merkwürdige Kätzchen [Ramon Zürcher]

Von Christina von Ledebur [ Sélection CINEMA ]


Eine Berliner Familie bereitet ein gemeinsames Abendessen vor. Der Vater und die kleine Clara gehen einkaufen, der Onkel repariert die Waschmaschine, der Sohn holt die Oma ab. Derweil schneidet die Mutter in der Küche Zwiebeln und rätselt mit ihrer erwachsenen Tochter Karin darüber, warum eine Orangenschale immer mit der weissen Seite nach oben auf dem Boden landet. Dazwischen werden Blicke ausgetauscht, es wird geschwiegen und geschrien, die Katze hüpft auf den Tisch, der Hund streift durch die Wohnung.

Das merkwürdige Kätzchen, das dem Film des Schweizer Regisseurs Ramon Zürcher den Namen gibt, spielt darin nur eine Nebenrolle. Genau genommen spielt auch keine der anderen Figuren in diesem Kammerspiel eine eigentliche Hauptrolle. Doch das ist nur eine der Merkwürdigkeiten dieses Films. Eine weitere ist das Fehlen eines Plots. Es gibt zwar in Zürchers Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie eine Story im Sinne einer Abfolge von Ereignissen, doch keine wirkliche Kausalität, wie man es sich aus dem klassischen Spielfilm gewohnt ist. Zürcher reiht verschiedene Szenen alltäglicher Verrichtungen relativ unspektakulär chronologisch aneinander, ohne dass das eine zwingend zum anderen führt.

Passend dazu verhält sich die Kamera von Alexander Hasskerl wie ein neutraler Beobachter. Meist ist sie statisch, bisweilen bleibt sie sogar an Ort und Stelle wenn die Figuren aus dem Bild verschwinden. Damit macht einerseits die Kamera auf ihre Beobachterrolle und gleichzeitig auf sich selbst aufmerksam, andererseits gewinnt der Ton an Bedeutung, insbesondere dann, wenn seine Quelle nicht im Bild zu erkennen ist. Der Ton ist mitunter auch direktes Thema im Film. Beispielsweise schreit die Kleinste der Familie immer wieder ohne sichtbaren Grund lauthals, oder die Mutter stellt eine Glasflasche in kochendes Wasser und alle horchen dem sonderbaren Geräusch, das so entsteht.

Die statische Kamera, die Aneinanderreihung alltäglicher Verrichtungen und der Fokus auf den Ton führen zu einem scheinbar belanglosen Dahinplätschern der Handlungen. Ausbruch aus diesem unspektakulär wirkenden Hintergrund bieten verschiedene Rückblenden von Situationen, welche die Protagonisten erzählen. Des Weiteren treten die Konflikte in der Familie so umso klarer zutage. In den Tätigkeiten im Haushalt spiegeln sich Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, etwa zwischen der stillen, in dieser Stille aber latent aggressiven Mutter und ihrer lauten jüngsten Tochter. Analog zu der fehlenden Hauptfigur steht auch keiner der Konflikte im Zentrum, indem er etwa eskalieren würde. Dies wirkt wiederum der kausalen Logik entgegen und führt stattdessen zu einer Gleichberechtigung der Figuren und der Geschehnisse. Was Ramon Zürcher mit dem Umschiffen des klassischen Plots in Das merkwürdige Kätzchen schafft, lässt sich wohl am treffendsten als narratives Gemälde umschreiben.


PRODUKTION: DFFB Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (Berlin). BUCH: Ramon Zürcher. REGIE: Ramon Zürcher. KAMERA: Alexander Hasskerl. TON: Benjamin Kalisch. SCHNITT: Ramon Zürcher. DARSTELLER: Leon Alan Beiersdorf, Matthias Dittmer, Armin Marewski, Mia Kasalo, Anjorka Strechel, Jenny Schily, Luk Pfaff. VERLEIH: Look Now! (Zürich). WELTRECHTE: DFFB Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH (Berlin).
DCP-Harddisk, Farbe, 72 Minuten, Deutsch.

17.10.2014, 11:36 | Permalink

Children of the Arctic [Nick Brandestini]

Von Simon Meier [ Sélection CINEMA ]


Children of the Arctic begleitet fünf jugendliche Iñupiat aus Barrow, der nördlichsten Stadt der Vereinigten Staaten, beim ihrem Übergang ins Erwachsenenalter. Die Iñupiat sind eine ethnische Gruppe Alaskas, die traditionell vom Fang des Grönlandwals lebt. Anders als ihre Vorfahren sehen sie sich einer Vielzahl von Einflüssen und Entscheidungen gegenüber, die ihre Adoleszenz nicht gerade einfach gestalten: entscheiden sie sich für ein traditionelles Leben, das der Wahrung der Bräuche der Iñupiat gewidmet ist, allem voran der Jagd und dem Walfang, oder entscheiden sie sich für einen individuelleren Lebenslauf, vielleicht auch ausserhalb Alaskas?

„Glokalisierung“ bezeichnet in der Globalisierungstheorie die Art und Weise, wie sich die Phänomene der Globalisierung an einer spezifischen Lokalität äussern. Im Falle von Barrow sind diese durch die extreme geographische Abgeschlossenheit recht bescheiden geblieben. Nur wenige Nicht-Iñupiat migrieren in die Kleinstadt, wo jeder jeden kennt. Abgesehen vom zunehmenden Verlust der Sprache der Iñupiat, die nur noch von den Grosseltern fliessend gesprochen wird, ist die Gemeinschaft daher immer noch sehr homogen und traditionsbewusst. Der hohe Stellenwert der eigenen Gemeinschaft und Bräuche äussert sich auch bei vier der fünf porträtierten Jugendlichen stark: für den 14-jährigen Samuel, seinen älteren Bruder Joshia, dessen Freundin Flora und auch den Schulsprecher Ace übt der Süden der Vereinigten Staaten nur begrenze Faszinationskraft aus. Joshia und Flora brechen ihr Studium in Anchorage schon nach sechs Wochen ab und kehren wieder heim. Auch Ace zieht es nach einem Umfall mit seinem Snowmobil vor, nach Abschluss des Gymnasiums erst einmal in der eigenen Gemeinde in der Erdölindustrie zu arbeiten. Samuel ist geradezu der Traditionalist unter den fünf Jugendlichen: er verbringt viel Zeit mit Jagen, seinem Grossvater und möchte Inupiaq, ihre indigene Sprache, besser lernen. Maaya, Tochter eines immigrierten weissen Amerikaners und einer Iñupiat, ist die einzige der fünf, die sich in Barrow eingeengt fühlt, und die es in die Ferne zieht.

Formal arbeitet der Film mit einer beobachtenden Kamera, die die Protagonisten in der Schule, zu Hause, beim Fischen, Jagen oder Herumalbern begleitet. Ergänzt werden die beschreibenden Sequenzen mit direkten Interviews, in denen die Jugendlichen und ihre Verwandten über ihre Lebenssituation, Wünsche und Ängste reflektieren. – Mit Children of the Arctic gelingt Nick Brandestini ein einfühlsames Porträt einer Gemeinschaft, die von extremen Umweltbedingungen geprägt ist. Das ewige Eis und seine tierischen Bewohner, die die Iñupiat umgeben, werden in eindrücklichen Aufnahmen ins Szene gesetzt und bilden einen sechsten allgegenwärtigen Protagonisten, der einem ebenso in Erinnerung bleibt wie die fünf porträtierten Heranwachsenden.

PRODUKTION: Envi Films, Schweizer Radio und Fernsehen, Vesna Eckert (Schweiz) 2014. BUCH: Taylor Segrest. REGIE: Nick Brandestini. KAMERA: Nick Brandestini. TON: Nick Brandestini, Guido Keller. SCHNITT: Nick Brandestini. MUSIK: Michael Brook. WELTRECHTE: Envi Films. DCP, Farbe, 94 min, Englisch, Inupiaq.

14.10.2014, 17:09 | Permalink

Chrieg [Simon Jaquemet]

Von Sascha Lara Bleuler [ Sélection CINEMA ]


Jugendliche haben’s schwer; die Hormone tropfen ihnen aus beiden Ohren, die Eltern und Lehrer nerven mit ihren ewig gestrigen Erziehungsmassnahmen. Zwischen ihren Körpern und Seelen herrscht Krieg, und sie suchen nach einem Ventil für die überschüssige Energie. Simon Jaquemet knöpft sich in seinem Spielfilmerstling die Lebensrealität von Teenagern vor und liefert eine beklemmende Sozialstudie von solch beeindruckender Intensität, dass einem die Luft wegbleibt.

Irgendwo in der gottverlassenen Agglo von Zürich wohnt der 15-jährige Matteo mit seinen Eltern. Er ist ein “schwieriger” Teenager, doch auch das Verhalten seiner Erzeuger vermittelt nicht gerade den Eindruck von psychischer Stabilität. Schweigende Essensszenen deuten auf familiäre Abgründe hin, die wenigen Worte des Vaters im Kommandoton wirken wie Schläge. Die Mutter, stark übergewichtig, kümmert sich seltsam entrückt um ihr Neugeborenes und streichelt übergriffig den pubertierenden Matteo, dem sie das Baby zum “säugen” an die Brust drückt. Unsicher und von Testosteronschüben geplagt, flüchtet Matteo in sein Zimmer und schaut sich Pornos an – um alsbald die gelernten Sexualtechniken auszuprobieren. Doch die Prostituierte, die er zu sich nach Hause bestellt und als seine Freundin deklariert, schmeisst der Vater in einem cholerischen Anfall raus. Matteo schweigt eisern, schluckt seine Wut herunter – ein brodelnder Schnellkochtopf kurz vor der Explosion.

Nach einem kleinen Unfall mit seinem Babybruder wird der Pubertierende kurzerhand in ein „Arbeitslager“ hoch oben in den Schweizer Alpen gesteckt. Hier soll er während des Sommers hart arbeiten und gezähmt werden. Doch hier oben haben die strafversetzten Jugendlichen dem alkoholisierten Bauern längst die Kontrolle entrissen und beherrschen nach eigenen Regeln ihr Reich. Zur Läuterung und Abhärtung von Matteo kommt es aber trotzdem. Er wird in einen Hundezwinger gesteckt, muss sich in erniedrigenden und lebensgefährlichen Männlichkeitsritualen behaupten, bis er schliesslich den Respekt der eingeschweissten Gruppe gewinnt. Fern von jeglichen gesellschaftlichen Zwängen toben sich die vier Outcasts aus und formieren sich zu einer seltsamen Ersatzfamilie. Bei nächtlichen Abstechern ins Zürcher Rotlicht- und Drogenmilieu entlädt sich ihr Gewaltpotential. Und hier auf dem Strassenstrich, den Matteos Vater frequentiert, schliesst sich fast schockartig die dramaturgische Schlaufe des ödipalen Konflikts.

Mit seiner düsteren Bildsprache, rein diegetischer Musik und rauen, lebensnahen Dialogen erschafft Jaquemet eine eigene Welt und inszeniert ohne zu moralisieren das Spannungsfeld der Teenagerrealität. Seine Schauspielführung der Laiendarsteller ist schlicht meisterhaft und hebt so seinen Erstling mit emotionaler Wucht auf internationales Niveau.


PRODUKTION: Hugofilm Productions GmbH, Schweizer Radio und Fernsehen.
PRODUZENTEN: Christian Davi, Thomas Thümena, Christof Neracher.
REALISATION: Simon Jaquemet. KAMERA: Lorenz Merz. TON: Roland Widmer, Thomas Lutz Valentino Vigniti. SCHNITT: Christof Schertenleib. SOUND DESIGN: Roland Widmer. WELTRECHTE: Picture Tree International GmbH.
FORMAT: Farbe, DCP, Schweizerdeutsch, 108 min.


13.10.2014, 22:06 | Permalink

The Kiosk [Anete Melece]

Von Thomas Hunziker [ Sélection CINEMA ]


Jeder Tag das gleiche Ritual, immer wieder die selben monotonen Abläufe… Wer sich schon einmal von seiner Arbeit gefangen gefühlt hat, wird sich zumindest teilweise mit der Hauptfigur des kurzen Animationsfilms The Kiosk von Anete Melece identifizieren können. Die Kioskverkäuferin Olga ist nämlich nicht nur metaphorisch, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes eine Gefangene ihrer Tätigkeit.

Bedingt durch die üppigen Ausmasse ihres Körpers muss Olga wohl oder übel 24 Stunden am Tag in ihrem engen Kioskhäuschen an einer dreckigen Strassenkreuzung verbringen. Dementsprechend besteht ihre tägliche Verpflegung aus den nicht gerade besonders gesunden Snacks im Sortiment des Kiosks. Doch ihre Laune lässt sich Olga nicht einmal vom übelriechendem Qualm des Rauchers verderben, der jeden Morgen pünktlich als erster Kunde vor dem Fenster wartet. Stattdessen bedient Olga vorbildlich die Kundschaft, deren Wünsche sie unterdessen in- und auswendig kennt. Die mollige Frau bietet dadurch mehr als nur «Tabacco, Bad News, Snacks, Lotto», sie ist vielmehr eine Dienstleisterin par excellence. Insgeheim träumt sie jedoch von einem schöneren Leben, das sie nur aus Zeitschriften kennt. Als eines Tages ihr Kiosk endlich die Bodenhaftung verliert, kommt Olga den Sonnenuntergängen, mit denen sie das Innere des Kiosks dekoriert hat, endlich ein Stück näher.

Regisseurin Anete Melece hat eine allgemein vertraute Lebenssituation als Ausgangspunkt für ihre leicht melancholisch Geschichte gewählt. Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen in einem Büro schildert sie, wie die Bequemlichkeit einer Routinebeschäftigung dazu führen kann, dass der Ausweg aus einer unbefriedigenden Position bald einmal fast unmöglich wird. Olga kann zwar ihre Stellung geniessen, doch in Gedanken ist sie immer weit entfernt. Melece versinnbildlicht die gespaltene Wahrnehmung durch Bilder aus Wasserfarben und Collagen, die durch ihre Kombination von Grautönen und bunten Flecken einen einprägsamen Kontrast bilden. Die Verträumtheit der Hauptfigur wiederum kommt durch die sanften, leicht verwaschenen Konturen zum Ausdruck. Diese treffende formale Umsetzung hat Melece durch einen manchmal sanft spöttischen, immer aber höchst dezenten Humor angereichert.

Das Werk von Melece wurde weltweit an zahlreichen Festivals mit Preisen für den besten Studentenfilm geehrt, am Tricky Women Festival in Wien und am Fantoche in Baden erhielt Melece zudem den Publikumspreis, und als Krönung wurde The Kiosk bei der Verleihung des Schweizer Filmpreises 2014 als bester Animationsfilm ausgezeichnet.


PRODUKTION: Virage Film (Zürich), Schweizer Radio und Fernsehen (Zürich), Hochschule Luzern. 2013. BUCH, REALISATION, KAMERA: Anete Melece. SCHNITT: Fee Liechti. TONSCHNITT, TON: Christof Steinmann. MUSIK: Ephrem Lüchinger. VERLEIH, WELTRECHTE: Interfilm Berlin.
DCP, Farbe, 7 Minuten, ohne Dialoge.

12.10.2014, 12:46 | Permalink

Patch [Gerd Gockell]

Von Thomas Hunziker [ ]


Als der Animationsfilm zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch lediglich durch Zeichentrick oder Stop-Motion entstand, war die Technik in der Regel leicht erkennbar. Aber spätestens seit der immer stärker fortschreitenden Digitalisierung, lässt sich oft kaum mehr feststellen, wie die Bilder nun wirklich bewegt werden. Da kehrt Gerd Gockell in seinem experimentellen Kurzfilm Patch sozusagen zu den Anfängen der Animation zurück und belebt tatsächlich die Leinwand.

Zu Beginn zeigt Gockell einzig die Entstehung von kleinen bemalten Leinwänden in Zeitrafferaufnahmen. Die Einzelbildmontage entsteht entweder durch Weglassen von Bildern oder nachträglich durch Manipulation der Kamera. Schwarze und weisse Leinwände entstehen und flackern anschliessend abwechselnd und in veränderter Abfolge über das Bild. Dann werden die Leinwände an an einer Wand zu einer Art «Bildschirm» zusammengefügt. Immer mehr dieser kleinen Flecken bilden eine Fläche, auf der sich verschiedene Muster ablösen. Plötzlich scheint eine Figur durch das Bild zu rennen – oder ist die Figur nur ein Produkt der Einbildung? Ein Hund überholt die Figur, dann ein Pferd. Auf der Tonspur wird an dieser Stelle die pulsierende Musik durch eine den Bildern entsprechende Tonkulisse ergänzt. Ein Elefant geht in die andere Richtung; von einem zweiten entgegenkommenden Elefanten wird die laufende Figur schliesslich unsanft gestoppt. Noch mehr Elefanten marschieren über die Leinwand. Je kleiner die einzelnen, den Bildschirm bildenden Leinwände sind, umso deutlicher lassen sich die Gestalten erkennen.

Regisseur Gerd Gockell, der seit 1992 mit Lehraufträgen an diversen Kunsthochschulen unterrichtet und 2002-12 Leiter des Studienbereichs Animation an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern war, de- und rekonstruiert in seinem Werk eindrücklich, wie der Eindruck von einem bewegten Bild entsteht. Gockell veranschaulicht den Weg vom abstraktem Einzelbild über die sorgfältige Kombination von zahlreichen Pixeln zu einer Illusion von echten Bewegungsabläufen.

Als dann am Ende die Leinwände immer kleiner werden, leitet Gockell durch die Darstellung der Einfahrt einer Lokomotive eine Rückkehr ganz zu den Ursprüngen des Filmgeschichte her: Mit der Abbildung einer Szene aus L'arrivée d'un train en gare de La Ciotat der Brüder Auguste und Louis Lumière (F 1885) kennzeichnet Gockell sein verblüffendes Flickwerk als Hommage an die Erfindung des Films. Am Festival International du Film d'Animation in Annecy wurde Patch mit dem Prix du Jury ausgezeichnet.


PRODUKTION: Gerd Gockell Filmproduktion (Luzern), Anigraf Filmproduktion (Hannover). 2014. BUCH, REALISATION, KAMERA, SCHNITT: Gerd Gockell. TON: Thomas Gassmann. MUSIK: Phil McCammon. VERLEIH, WELTRECHTE: Gerd Gockell Filmproduktion.
35mm, Farbe, 3 Minuten, ohne Dialoge.

12.10.2014, 12:38 | Permalink

Aubade [Mauro Carraro]

Von Thomas Hunziker [ Sélection CINEMA ]



Der Himmel über dem Seebad Les Bains des Pâquis in Genf flimmert noch dunkelblau, das Wasser glänzt hingegen schon silbern und golden. Der Übergang ist schwer abgrenzbar. In die entgegengesetzte Blickrichtung wird das noch dunkle Wasser durch die Front- und Rücklichter von Autos an der Hafenpromenade mit roten und weissen Streifen beleuchtet, doch langsam geht im Animationsfilm Aubade von Mauro Carraro die Sonne auf.
Gleichzeitig taucht aus dem Wasser zum Klang von Perkussion der Kopf eines Kontrabasses auf. Ein Schwimmer steigt auf eine Rutschbahn und betrachtet eine dunkle Scheibe, die am Horizont erscheint. Eine Schwimmerin liegt auf der Plattform eines Sprungturms und erhebt sich langsam. Dann ertönt das Instrument des Kontrabassisten Mich Gerber, der diesen poetisch inszenierten Sonnenaufgang begleitet. Möwen landen auf den Abgrenzungen des Schwimmbereichs, an denen sich auch zwei Schwimmer ausruhen. Zwei Blesshühner paddeln kopfnickend durch das Wasser; eine Bewegung, die von den beiden Schwimmern imitiert wird. Sie gleiten schwerelos zu einer Plattform, auf der sie drei kleine Papierschiffe vorbeigleiten sehen.

Mauro Carraro fängt in seinem beinahe unbeschreiblich stimmungsvollen Kurzfilm die anmutige Morgenstimmung ein und verwandelt das Genfer Seebecken in eine traumwandlerisch betörende Landschaft. Orientieren sich die Bilder zunächst noch mehrheitlich an der Wirklichkeit, so durchdringen bald einmal surreale Eindrücke die Szenerie. Die Musiknoten, die aus dem Kontrabass von Gerber aufsteigen, werden von Möwen geschnappt; an einem Leuchtturm fahren drei gigantische Papierschiffe vorbei und ein Blesshuhn verwandelt sich in einen Wal, der seine Fontäne bis zur Sonne spritzen lässt.

Ebenso wie die Bilder von Carraro schweben die kräftigen Klangwelten von Gerber zwischen Nacht und Tag, verwischen die Grenzen zwischen Traum und Realität. Die rhythmischen Melodien treiben die Bilder voran und nehmen gleichsam die Bewegungen von Schwimmern, Seevögeln und sanften Wellen auf. Die Verschmelzung von Bild und Ton ist dem Filmemacher Mauro Carraro und dem Musiker Mich Gerber in ihrer Zusammenarbeit vortrefflich gelungen. Die Kombination der warm glänzenden Bilder mit den kräftigen Tönen verleitet zum Schwelgen in einer hypnotischen Atmosphäre. Aubade ist eine überwältigende Hommage an die Architektur und die Morgenstimmung in den Bädern von Pâquis.

Am Animationsfilmfestival Fantoche wurde Aubade im Schweizer Wettbewerb mit dem Publikumspreis ausgezeichnet und von der Jury erhielt der Kurzfilm, «der mit verblüffenden Bildern und perfekter Synchronisation mit Musik beeindruckt» eine Spezielle Erwähnung.


PRODUKTION: Nadasdy Film Sarl (Genf), RTS Radio Télévision Suisse (Genf). 2014. BUCH, REALISATION, KAMERA: Mauro Carraro. SCHNITT: Mauro Carraro, Zoltán Horváth. TON: Martin Stricker. MUSIK: Mich Gerber. VERLEIH, WELTRECHTE: Nadasdy Film Sarl.
DCP, Farbe, 5 Minuten, ohne Dialoge.

12.10.2014, 12:22 | Permalink

Northmen - A Viking Saga [Claudio Fäh]

Von Simon Meier [ Sélection CINEMA ]



Frühes Mittelalter: eine Gruppe plündernder Wikinger unter der Führung von Asbjörn (Tom Hopper) ist vom eigenen machthungrigen König verbannt worden. Um sich vom erzwungenen Exil zu befreien, planen sie das Kloster Lindisfarne mit seinen legendären Reichtümern zu überfallen. Auf dem Weg zur Nordostküste Grossbritanniens erleiden sie jedoch Schiffbruch und landen auf unbekanntem Gebiet. Nun müssen sie versuchen, sich möglichst unbemerkt durch das Hochland nach Danelag, der nächsten Wikingersiedlung, durchzuschlagen. Kaum sind sie aufgebrochen, werden sie aber auch schon von schottischen Kriegern attackiert, und ihnen fällt Inghean, die Tochter von König Dunchaid, in die Hände. Mit einem Lösegeld könnten sich die Wikinger von ihrer Verbannung freikaufen. Doch Dunchaid hat schon seine schrecklichsten Krieger, das „Wolfsrudel“ ausgesandt, um seine geliebte Tochter wieder zurückzugewinnen...

Northmen ist nicht eigentlich ein Historienfilm, sondern primär eine lange Verfolgungsjagd: Die Wikinger werden von ihren Verfolgern quer durch das schottische Hochland gejagt. Die Feinde immer im Nacken, müssen sich die heimatlosen Gefährten einer Vielzahl von Kämpfen und Hindernissen stellen. Zur Hilfe kommt ihnen dabei ein mysteriöser, erstaunlich kampfstarker Mönch, der wegen einem anfänglichen Gefallen ihnen gegenüber selbst zum Gejagten der „Wölfe“ wird. Die Prinzessin wiederum, die gegen ihren Willen hätte verheiratet werden sollen, sympathisiert mit ihren Entführern, und entpuppt sich als eine Seherin, die das erneute Aufeinandertreffen mit den Häschern in aufblitzenden Visionen vorhersieht. Dennoch verkleinert sich die Schar der Wikinger zusehends, da trotz hinterlistig aufgestellter Fallen fortwährend Körper aufgespiesst, zerhackt oder zertrümmert werden.

Kinematographisch beeindruckt Northmen mit spektakulären Landschaftsaufnahmen: Der Film wurde in den unberührten Steppen und Berghängen Südafrikas realisiert, die mittels zahlreicher Luftaufnahmen und Kamerafahrten effektvoll in Szene gesetzt werden. Landen die Wikinger zu Beginn an einem stürmischen, zerklüfteten Strand, so müssen sie sich später durch weitschweifige Wälder, Schluchten, Talengen oder über Berghänge kämpfen. Die eigentlichen Feinde bleiben aber die Häscher des schottischen Königs. Deren beide Anführer, der unerbittliche Berserker Hjorr (Ed Skrein) und sein etwas klügerer Bruder Bovarr (Anatole Taubman), überbieten sich gegenseitig zunehmend in Grausamkeit, die augenfällig inszeniert wird, sind am Schluss aber doch nicht gegen die Beharrlichkeit und Willensstärke von Asbjörn und seinen Wikingern gewappnet. Claudio Fäh, für unterhaltsame B-Movies wie Coronado (2003), Hollow Man II (2006) oder Sniper Reloaded (2011) bekannt, gelingt mit Northmen eine temporeiche Verfolgungsjagd, die keine Minute langweilt.

PRODUKTION: Elite Filmproduktion, Jumping Horse Film, Two Oceans Production (Schweiz, Deutschland, Südafrika) 2014. BUCH: Bastian Zach, Matthias Bauer. REGIE: Claudio Fäh. KAMERA: Lorenzo Senatore. TON: Markus Glunz, Peter Staubli. SCHNITT: Adam Recht. MUSIK: Marcus Trumpp. DARSTELLERINNEN: Tom Hopper, Ryan Kwanten, Ken Duken, Charlie Murphy, Ed Skrein, Anatole Taubman u.a. VERLEIH: Elite Film. WELTRECHTE: The Salt Company. DCP, Farbe, 97 min, Englisch.

04.10.2014, 19:09 | Permalink
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