Titel Magazin/ Musik: Cinema 49
| Von Redaktion | [ Rezensionen ] |

geschrieben von: Klaus Hübner
Film besteht aus mehr als nur aus Bildern
Nur einmal im Jahr erscheint die „unabhängige Schweizer Filmzeitschrift“ mit jeweils einem zentralen Thema. In früheren Ausgaben beschäftigte sich die Publikation, die einen mittleren Romanumfang aufweist, mit „Territorium“, „Ausstattung“ und „Das Private“. Im 49. Jahrgang liegt für 2004 das Heft „Musik“ vor.
Eines der wichtigsten Stilmittel des Films, die oft nur als Nebensache wahrgenommen und entsprechend reflektiert wird, ist die Musik. Und gerade in diesem Bereich bestehen zwei eklatante Unterschiede. Zum einen existiert die klassische, besonders von Hollywood geprägte orchestrale Filmmusik, die für alle Szenarien einsetzbar war und die Gefühle, Dramatik und oft auch Illustration transportierte. Daneben die inzwischen zur Hauptsache gewordenen Pop- und Rocksoundtracks, die als Marketingprodukt überhaupt nicht mehr wegzudenken sind. Den „Soundtrack und seine Interpretation als Marketinginstrument“ beschreibt Christian Jungen in „Bryan Adam’s Mustang im Kino“ anhand vieler populärer Beispiele.
Doch der Ton des Films besteht nicht nur aus Sprache und Musik, für Dra-maturgie und Spannungsaufbau sind dringend Geräusche, Lärm und andere Klänge notwendig. In ihrem Beitrag „Where’s The Link?“ beschäftigt sich Barbara Flückiger mit dem Sounddesigner, dem eine herausragende Rolle bei der Filmherstellung zugewiesen ist. Wie das Hubschraubergeräusch aus „A-pokalypse Now“ von Francis Ford Coppola den visuellen Eindruck erst auf die Spitze treibt, ist das Verdienst einer neuen filmischen Klanggestaltung.
In dem Buch ist aber noch mehr Musik drin. Florian Keller untersucht an-hand des Musiksenders MTV, ob Musikvideos narratologische Inhalte transportiert („Heavy Rotation“). Besonders interessant ist der Aufsatz von Philipp Brunner, „Con intimissimo sentimento“, in dem er das „Gesicht der musizierenden Figur im Film“ aufspürt, beschreibt und kommentiert. Außerhalb des Themas sammelt die Rubrik „CH-Fenster“ schweizerische Besonderheiten des Films, Jesper Andersen schreibt seinen Filmbrief aus Dänemark („Dänischer Film ist mehr als ‚Dogma’“), und der Index beschäftigt sich kritisch mit der Schweizer Produktion aus 2002/2003.
Alles in allem und musikalisch im Besonderen ist Cinema 49 ein gelungener Beitrag, Film, seine Wirkung und seine handwerklichen Voraussetzung zu beleuchten.
Klaus Hübner
--------------------------------------------------------------------------------
Musik. Cinema 49. Herausgegeben von Natalie Böhler, Laura Daniel, Meret Ernst, Flavia Giorgetta, Veronika Grob, Andreas Maurer, Jan Sahli. Schüren Verlag, Marburg. 2004. ISBN 3-89472-600-8. 24 Euro (im Abo 19 Euro).

