Quelques notes sur l'art de la mémoire [Dominique Comtat]
| Von Natalie Böhler | [ Sélection CINEMA ] |
Zuallererst sehen wir den Filmemacher selbst in seinem Atelier: Er baut seinen alten Schneidetisch ab und ersetzt ihn mit einem Macintosh. In Jump Cuts schildert er, wie das geschichtsträchtige Arbeitsgerät demontiert und im Schuppen verstaut wird, um anschliessend leicht selbstironisch das Hantieren mit Kabeln und Steckern zu zeigen, das das modernere Digitalschnittgerät ihm abverlangt. Bunt vermischt folgen Aufnahmen aus seinem Alltag und der südfranzösischen Landschaft, in der er lebt: In den Sedimentschichten des Gebirges wird die Landschaft als über lange Zeit gewachsenes Gebilde sichtbar. Super-8-Filmschnipsel berichten von der Vergangenheit seiner Familie, später werden sie abgelöst von ähnlichen Home-Movie-Aufnahmen, diesmal aber auf digitales Videomaterial gebannt. Der Filmemacher räumt sein Büchergestell aus; die sorgfältig im Koffer verstauten Bücher lässt er am Wegrand stehen, die achtlos in eine Plastiktüte geworfenen hingegen behält er. Eine alte Schallplatte kratzt und leiert unter der Nadel des Plattenspielers: Auch hier hat die Zeit auf einem Medium Spuren hinterlassen. Es tauchen eingestreute kleine Bilderrätsel auf: eine Pendeluhr, ein Knoten im Taschentuch, das an einer Wäscheleine hängt.
Der Junge liest von der Entstehung einer Erinnerung: Man macht sie sich, indem man Bilder aussucht, die man bewahren will, und sie wie in einzelnen Schubladen konserviert. So funktioniert auch dieser Film – aus der scheinbaren Zusammenhangslosigkeit im Vermischen von Inszeniertem, Halbinszeniertem und Gefundenem entsteht durch das Mitdenken der Zuschauer ein stimmungsvolles Gedankenbild über die Spuren der Zeit.
P: Dominique Comtat (Carniol/F), Association Imagie 2003. B, R, K, T, S: Dominique Comtat. Beta SP, Farbe, 31 Minuten, Französisch.


