RAY/Juni 2005

Von  Redaktion [ Rezensionen ]


CINEMA 50: ESSAY

Gleich vorweg, um bei dem mit Cinema möglicherweise nicht vertrauten Leser keine falsche Erwartungshaltung aufkommen zu lassen: Der vorliegende Band kann nur bedingt als ein Buch über den (filmischen) Essay bezeichnet werden. Doch das ist kein Grund, den Band gleich wieder aus der Hand zu legen.

Wie der erste Teil des Titels angibt, handelt es sich hier um die mittlerweile fünfzigste Ausgabe des Schweizer Filmjahrbuchs Cinema, das als eine seiner Hauptaufgaben die "kritische und solidarische Begleitung" des Schweizer Filmschaffens sieht. Dies schlägt sich zum einen in dem zur Tradition gewordenen, den Band abschliessenden kritischen Jahresindex der Schweizer Filmproduktion nieder. Zum anderen ist eine Reihe von Beiträgen Geburtstagen in der Schweizer Film- und Kinolandschaft gewidmet: Neben dem runden Geburtstages des Filmjahbruchs selbst wird der 40er der Solothurner Filmtage und das 25-jährige Bestehen des Zürcher Programmkinos Xenix gewürdigt. Zwei weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Präsenz von Schweizer Filmen im Ausland und ausländischen Filmen in der Schweiz.

Auch bei dem Teil des Bandes, der die Überschrift "Essay" trägt, ist der Schweizschwerpunkt unübersehbar. Und hier kommt auch der über den zweiten Tiel des Titels auf den Band gestossene Leser auf seine Rechnung: Denn neben Beiträgen über essayistische Aspekte bei bestimmten Regisseuren (Renoir, Egoyan, Duras) oder einem Interview mit dem Schweizer Filmessayisten Thomas Imbach, dienen andere Beiträge vor allem der Exemplifizierung wichtiger Prinzipien des Essays: wie z.B. das der formalen Offenheit ein einem Essay in Form einer Fotoserie oder auch in den Text- und Bildauszügen aus dem Filmessay Hans im Glück - 3 Versuche das Rauchen loszuwerden von Peter Liechti. So erhält der Leser letztendlich auf spannende Weise einen Eindruck der vielfältigen Möglichkeiten des Essays und erfährt nebenbei noch so manches aus dem in der heimischen Kinos nicht gerade überrepräsentierten Filmland Schweiz.
(Grudrun Totschnig)


Illustration: Eva Kläui

03.10.2005, 13:06 | Permalink