FLORIAN KELLER

ALL IS FULL OF LOVE (CHRIS CUNNINGHAM, GB 1999)

MOMENTAUFNAHME

Eine Wiedergeburt im Labor der künstlichen Liebe. Allein auf dem spiegelglatten Boden liegt ein androider Roboter, die Züge von Björk im milchweissen Gesicht. Funken tanzen in Zeitlupe, Narziss aufersteht als traurige Prinzessin im klinischen Käfig. Das geliebte Spiegelbild erscheint ihr nicht als Phantom im Wasser, sondern leibhaftig in einem elfenhaften Double, die Züge von Björk im milchweissen Gesicht. Aber dieses Spiegelbild ist auch die wiedergeborene Nymphe Echo. Und ihr Refrain, wie ein ferner Widerhall aus alten Tagen: All is full of love. Gespiesen von den vielgliedrigen Maschinen in ihrem Rücken, knien sich die zwei Grazien hin zu einem kybernetischen Ballett der Zärtlichkeit. All is full of love. In der kontrollierten Ekstase der beiden Roboter flackert das Licht im Labor. All is full of love. Die Kamera weicht den Kabeln entlang zurück ins Dunkel, lässt die Liebenden allein, entrückt in der Raumkapsel ihrer bionischen Romantik.

Florian Keller
geb. 1976, macht seinen Abschluss in englischer Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und arbeitet als Filmjournalist für den Tages-Anzeiger.
(Stand: 2018)
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