Cinema 54: Stadt

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
Cover Cinema 54

Seit jeher interessiert sich der Film für die Stadt, und nicht selten wird als Grund angeführt, das Kino und die moderne Metropole seien zur selben historischen Stunde geboren, Film sei an sich ein städtisches Medium. Ausserdem gilt gerade die Grossstadt als besonders fotogen: Das Aufeinandertreffen von Architektur, Menschenmassen und Verkehrsströmen, von Licht- und Wettereffekten scheint eine natürliche Affinität zur filmischen Ästhetik zu haben und kann doch in zahllosen Nuancen orchestriert werden.

CINEMA 54 steht ganz im Zeichen der Stadt im Film, einem der privilegiertesten Objekte von Filmkamera und Kinoerzählung. Im Blickfeld stehen nicht nur Megacities, sondern auch urbane Randzonen wie die Favela in Rio de Janeiro, der Untergrund in Budapest, die Brache in Berlin, der Hinterhof im Zürcher Kreis 5. Es geht um spezifisch städtische Fortbewegungen und Körpertechniken, wie das Flanieren durch San Francisco, der Tanz durch die Strassen der West Side oder der atemberaubende parkour an Häuserfronten empor, über Dachterrassen hinweg.

Nachgespürt wird zudem der Stadt als Raum bestimmter Gefühlswelten – romantisch im Fall von Paris, bitter ernüchtert im Fall von Baltimore in der Serie The Wire. Virtuelle Städte werden beleuchtet: das für den Film inszenierte Los Angeles, das es jenseits der Leinwand so nie gab, aber auch eigens für den Film hochgezogene Stadtteile, die weit über die blosse Kulissenstadt aus Pappe hinausgehen, oder Stadtansichten aus dem Computer.

In literarischen Miniaturen geben Filmschaffende und Schriftsteller Einblick in persönliche Filmstadterfahrungen, und ein Kurzfilm stellt die Stadtwelt, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Die Fotostrecke macht das Faszinierende, aber auch das Bedrängende der Stadt erfahrbar.

Das «CH-Fenster» ist dem Schweizer Besetzerfilm, einem urbanen Phänomen par excellence, gewidmet. Die «Nocturne» spürt dem Mythos New York nach, der vielleicht mehr als andernorts immer auch ein Filmmythos ist. Der «Filmbrief» berichtet von der Kinostadt London und den Tendenzen der britischen Filmindustrie, während die «Sélection CINEMA» wie immer einen ausführlichen Überblick über das Schweizer Filmschaffen des vergangenen Jahres bietet.

Herausgegeben von: Philipp Brunner, Anita Gertiser, Nathalie Jancso, René Müller und Tereza Smid.

ISBN 978-3-89472-604-1
Im Buchhandel, beim Verlag oder direkt bei der Redaktion zu beziehen