CINEMA 55: Politik

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]


Ob offensichtlich wie im Politthriller, in der Politsatire oder im Biopic, ob hintergründig wie im Horrorfilm, im Science-Fiction oder im Western, ob fiktional, dokumentarisch oder animiert – das Politische ist und war im Film schon immer allgegenwärtig. CINEMA 55: POLITIK will Film als Spiegel der Zeit untersuchen, das politisch Unkorrekte im Film ebenso wie das Korrekte aufspüren, Zensur und Propaganda thematisieren, subversive Underground-Filme und das Kino der Minoritäten betrachten, aber auch die politische Ausrichtung des Mainstream-Kino hinterfragen. Denn: Ist nicht jeder Film letztendlich politisch? Die Frage ist nicht neu, das Ziel ist es, sie neu und überraschend zu beantworten.

Neben inhaltlichen und formalen Aspekten sollen in der neuesten CINEMA-Ausgabe die politischen Rahmenbedingungen, die das Filmschaffen eines jeden Landes prägen, beleuchtet werden. Dabei soll auch die schweizerische Filmpolitik, die sich über die Jahrzehnte verändert hat und in letzter Zeit immer wieder zu hitzigen Diskussionen Anlass gab, nicht zu kurz kommen.

Und wie jedes Jahr gibt es im Kapitel Sélection CINEMA einen Überblick über das Schweizer Filmschaffen 2008/2009 mit kritischen Kommentaren.

CINEMA 55: Politik erschien Ende Januar 2010 im neuen Design!

08.1.2010, 16:47 | Permalink

Cinema 54: Stadt

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
Cover Cinema 54

Seit jeher interessiert sich der Film für die Stadt, und nicht selten wird als Grund angeführt, das Kino und die moderne Metropole seien zur selben historischen Stunde geboren, Film sei an sich ein städtisches Medium. Ausserdem gilt gerade die Grossstadt als besonders fotogen: Das Aufeinandertreffen von Architektur, Menschenmassen und Verkehrsströmen, von Licht- und Wettereffekten scheint eine natürliche Affinität zur filmischen Ästhetik zu haben und kann doch in zahllosen Nuancen orchestriert werden.

CINEMA 54 steht ganz im Zeichen der Stadt im Film, einem der privilegiertesten Objekte von Filmkamera und Kinoerzählung. Im Blickfeld stehen nicht nur Megacities, sondern auch urbane Randzonen wie die Favela in Rio de Janeiro, der Untergrund in Budapest, die Brache in Berlin, der Hinterhof im Zürcher Kreis 5. Es geht um spezifisch städtische Fortbewegungen und Körpertechniken, wie das Flanieren durch San Francisco, der Tanz durch die Strassen der West Side oder der atemberaubende parkour an Häuserfronten empor, über Dachterrassen hinweg.

Nachgespürt wird zudem der Stadt als Raum bestimmter Gefühlswelten – romantisch im Fall von Paris, bitter ernüchtert im Fall von Baltimore in der Serie The Wire. Virtuelle Städte werden beleuchtet: das für den Film inszenierte Los Angeles, das es jenseits der Leinwand so nie gab, aber auch eigens für den Film hochgezogene Stadtteile, die weit über die blosse Kulissenstadt aus Pappe hinausgehen, oder Stadtansichten aus dem Computer.

In literarischen Miniaturen geben Filmschaffende und Schriftsteller Einblick in persönliche Filmstadterfahrungen, und ein Kurzfilm stellt die Stadtwelt, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Die Fotostrecke macht das Faszinierende, aber auch das Bedrängende der Stadt erfahrbar.

Das «CH-Fenster» ist dem Schweizer Besetzerfilm, einem urbanen Phänomen par excellence, gewidmet. Die «Nocturne» spürt dem Mythos New York nach, der vielleicht mehr als andernorts immer auch ein Filmmythos ist. Der «Filmbrief» berichtet von der Kinostadt London und den Tendenzen der britischen Filmindustrie, während die «Sélection CINEMA» wie immer einen ausführlichen Überblick über das Schweizer Filmschaffen des vergangenen Jahres bietet.

Herausgegeben von: Philipp Brunner, Anita Gertiser, Nathalie Jancso, René Müller und Tereza Smid.

ISBN 978-3-89472-604-1
Im Buchhandel, beim Verlag oder direkt bei der Redaktion zu beziehen

27.1.2009, 18:54 | Permalink

CINEMA 53: Schön

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
cinema53_schön

Erstmals widmet sich CINEMA einem Adjektiv. Was wir als SCHÖN bezeichnen, ist nicht
nur einer radikal subjektiven Perspektive unterworfen, sondern auch modischen Zeitströmungen und kulturellen Prägungen. Ein äusserst unpräzises Attribut also, mit dem uns Magazine mit ihren digital aufgerüsteten Bildern von schönen Menschen wie Missen, Models und Hollywoodstars verlocken wollen. In CINEMA 53: Schön soll aber für einmal nicht die Welt der Reichen und Schönen im Zentrum stehen, sondern die formale und inhaltliche Schönheit des Films. Uns interessieren die Ästhetik der filmischen Oberfläche und das kitschige Happyend massgeschneiderter Romanzen. Neben den schönen Schwänen bekommen aber auch die hässlichen Entlein und ekligen Biester ihren Auftritt.

Die Schönheit der gefilmten Schweizer Landschaft wird ebenso hinterfragt wie diejenige
US-amerikanischer Cheerleader oder italienischer Schönheitsköniginnen. Weitere Texte
und Bildbeiträge widmen sich der Ästhetik des Körperinnern, des versehrten Körpers und
der durch Prothesen geschaffenen Schönheit. Die Zeitlupe als Stilmittel ist ebenso ein
Thema wie die Suche nach der geeigneten Kameraführung, die blitzenden Skalpelle der
Schönheitschirurgie oder der Begriff des absoluten Schönen im Experimentalfilm.

Der Filmbrief berichtet von Tendenzen des neuen argentinischen Kinos, während die Sélection traditionsgemäss einen Überblick über das Schweizer Filmschaffen des vergangenen Jahres bietet. Das CH-Fenster beleuchtet diesmal die Schweizer Kurzfilmszene.

Herausgegeben von: Natalie Böhler, Philipp Brunner, Anita Gertiser, Veronika Grob,
Nathalie Jancso, René Müller, Nicola Ruffo, Tereza Smid, Sandra Walser

ISBN 978-3-89472-604-1
Im Buchhandel, beim Verlag oder direkt bei der Redaktion zu beziehen

20.1.2008, 18:53 | Permalink

Editorial Sicherheit [CINEMA 52]

Von Veronika Grob [ Frühere Ausgaben ]
Kaum ein Schlagwort wird in der Werbung und in Gesprächsrunden so ausnahmslos positiv verwendet wie «Sicherheit», denn auf die Sicherheit beim Autofahren, auf sichere Schulen oder Renten möchte wohl niemand verzichten. Doch in der zeitgenössischen politischen Landschaft ist der geradezu inflationäre Gebrauch des Begriffs nicht nur als Antwort auf die Drohungen des Terrorismus zu verstehen, sondern schafft gleichzeitig aktiv ein Klima der Angst. In diesem Sinne sind Sicherheit und Unsicherheit die zwei Seiten derselben Medaille. Das Böse, das Gefährliche, das Andere muss identifiziert, reglementiert und ausgegrenzt werden, um die Gemeinschaft zu schützen.

Davon erzählen im Kino nicht nur diverse Thriller, Horrorgeschichten Paranoiaszenarien und Kriminalfilme. Am Ursprung jeglicher Geschichte steht der Konflikt, der – stets neu erzählt – schliesslich gelöst und in die Ordnung des beruhigenden Happy Ends heimgeholt werden soll. Das ist die Sicherheit, die uns das Genrekino bieten kann. Fühlen wir uns nicht behütet und geborgen, wenn im beruhigenden Dunkel des Kinosaals auf der Leinwand der Mörder schliesslich gefasst wird, sich das Paar endlich in die Arme fallen kann, in Katastrophensituationen der Held für die Rettung der Welt einsteht? Und vermitteln uns neben der Eindeutigkeit von Genrekonventionen nicht auch Filmmusik, Kamera-führung, Lichtsetzung oder verlässliche Erzähler emotionale Sicherheiten?

Kino kann sich jedoch nicht in den sicheren Grenzen dieser bekannten Normen erschöpfen, sonst droht sich die Traummaschinerie totzulaufen und in Ideologie und Langeweile zu erstarren. Um aufregend zu bleiben, muss Kunst diese schützenden Grenzen immer wieder sprengen auf der Suche nach dem Anderen, dem Neuen, dem Überraschenden, dem Ambivalenten – dem Unsicheren. Wenn nötig mit avantgardistischer Gewalt, denn der Sicherheitswahn kann bis zur Zensur führen, die gerade im Filmgeschäft oft auch kommerziell begründet wird. Filme sollen uns jedoch nicht nur unterhalten, sondern uns auch immer wieder neue Einblicke ermöglichen, unsere lieb gewonnenen Gewohnheiten hinterfragen – aufrütteln.

Deswegen ist CINEMA 52 auch den unsicheren Momenten im Kino gewidmet. Neben kurzen Szenenbetrachtungen einzelner Filme wird in weiteren Texten sowohl der Lust an der erzählerischen Unsicherheit nachgespürt wie den endlosen, neobarocken Verästelungen im Erzählfluss der TV-Serie Six Feet Under. Untersucht werden Paranoiafilme der Siebzigerjahre, das Heist Movie, visuelle Unsicherheiten in Jane Campions In the Cut sowie die plötzlichen Gewaltausbrüche im langweiligen Leben von Versicherungsagenten. Der Filmemacher Dani Levy erzählt vom Erwartungsdruck und von der befreienden Kraft des Komischen. Die Selbstversicherungsstrategien der Filmkritik werden ebenso zum Thema gemacht wie die Enge der Schweiz, die prekäre Sicherheit, die ein Hut seinem Träger verschafft, das nervende Notausgangsschild im Kinosaal oder die Katastrophe, die ein einziges Malteser vor der Leinwand anrichten kann. Essayistische Texte stehen neben wissenschaftlichen und literarischen, ein zeichnerischer Bildessay neben einem fotografischen.

Der traditionelle «Filmbrief» berichtet dieses Mal von den Gefahren, denen Filmschaffende in Palästina ausgesetzt sind, während in der Rubrik «CHFenster» der Drehbuchautor Micha Lewinsky mit inneren Dämonen kämpft. Unter dem neuen Namen «Sélection CINEMA» wird schliesslich das Schweizer Filmschaffen des letzten Jahres in einer ausführlichen Übersicht kritisch kommentiert.

Für die Redaktion
Veronika Grob


07.1.2007, 13:54 | Permalink

Sicherheit [CINEMA 52]

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
Sicherheit

Inhalt

Editorial

DANIELA JANSER
Geld oder Leben!
Agenten der Verunsicherung oder Das Unbehagen in der Versicherung

JEN HAAS
Lieber ein Schrecken ohne Ende ...
Six Feet Under zwischen neobarocker Offenheit und der Sehnsucht
nach dem Endgültigen

NATALIE BÖHLER
Der Notausgang

THOMAS CHRISTEN
Safety Last
Bausteine zu einem Konzept der narrativen Unsicherheit

SANDRA KÜHNE
Identität ist ein unsicheres Zuhause
Ein Bildessay

PHILIPP BRUNNER
«Nicht schwul.»
Strategien der Selbstversicherung in Kritiken zu Brokeback Mountain

ANITA GERTISER
Die Sehnsucht des Auges nach einem Anker im Bild
Jane Campions In the Cut

SASCHA LARA BLEULER
Ich kann nicht nur dramatisch unterwegs sein
Ein Gespräch mit Dani Levy

ROLAND ZEMP
Sicherheit
Ein Bildessay

RALF SCHLATTER
Die Geschichte mit den Maltesers

ANDREAS FURLER
Der Coup als Kunst und Katastrophe
Anmerkungen zum Heist Movie

HENRY M. TAYLOR
Das Goldene Zeitalter der Paranoia
Bedrohungsszenarien im Verschwörungsthriller der Siebzigerjahre

BENEDIKT EPPENBERGER
Hütchenspiele

MARCY GOLDBERG
Sicherheit, Langeweile, Selbstzerstörung
Filmemachen im «Gefängnis Schweiz»

Unsichere Momente
Sandra Walser, Michèle Wannaz, Sascha Lara Bleuler, Simon Spiegel, Till Brockmann, Flavia Giorgetta, Stephanie Kühnle, Veronika Grob, Florian Keller

CH-Fenster
MICHA LEWINSKY
Schreiben macht traurig

Filmbrief ...
AMER HLEHEL
... aus dem Nahen Osten
Das palästinensiche Kino: eine Frage von Leben und Tod

Sélection CINEMA
Das Schweizer Filmschaffen 2005/2006 im Überblick, kritisch kommentiert

Zu den Autorinnen und Autoren


07.1.2007, 13:45 | Permalink

Sicherheit

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
Die neue Nummer kommt bald!

CINEMA 25: Sicherheit.

Sicherheit TItel


Zur Ansicht: ...
Plakat CINEMA Sicherheit
...von Roland Zemp.

07.1.2007, 13:15 | Permalink

Erotik [CINEMA 51]

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
Cinema 51


Leseprobe (Editorial und der 1. Text von Julia Marx Fanfic(k)s)

Inhalt

Editorial

JULIA MARX
Fanfic(k)s
Wie Fans im Slash ihren Lieblingsfiguren an die Wäsche gehen

ILMA RAKUSA
Das Begehren des Blicks
Adrian Lynes Lolita

JEN HAAS
Die Leinwand als Vorwand oder
Wann wird das Kino als erotischer Raum wiederentdeckt?

BEA LAUPER
Erotik – Ein Bildessay

DANIEL STAPFER
Zwischen Amden und Rümlang
Sexfilme aus Schweizer Produktion

MICHELE WANNAZ
Der Witz und seine Beziehung zum Paarungsverhalten

ANNETTE ALTHAUS
Die Hard – Das erotische Spiel mit dem Tod im Actionfilm

FRANCESCO LARATTA
Über Explosionen und Verzögerungen
Ein Interview mit Lionel Baier zu Pornographie und Erotik im Film

ANITA GERTISER
Die Erotik der Didaktik
August Kerns Richtiges Melken – saubere Milch (1954)

BIRGIT SCHMID
Die Sprache des Begehrens
L’amant von Marguerite Duras, verfilmt von Jean-Jacques Annaud

MARIANN STRÄULI
Die Wellenschlag-Variante

Erotische Momente
Philipp Brunner, Daniele Muscionico, Daniela Janser, Sandra Walser,
Johannes Binotto, Doris Senn, Ursula von Keitz

CH-Fenster
YVONNE ZIMMERMANN
Auftragsfilm versus Autorenfilm
Zur Geschichte einer Beziehungskiste

THOMAS CHRISTEN
LUZIA VON DESCHWANDEN
Die beiden Martin Sch. und der neue Auftragsfilm

Nocturne
ELEONORE FREY
Von der Urszene zum Urtext
Zu Christine Noll Brinckmanns filmischem Werk

Filmbrief ...
NATALIE BÖHLER
... aus Thailand (und einigen anderen Orten)

Index
Kritischer Index der Schweizer Produktion 2004/2005

Anhang


16.1.2006, 00:17 | Permalink

Das neue CINEMA ist da!

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
cinema51


Titelbild: Bea Lauper

Licht. Schatten. Was das Kino zu einem erotischen Erlebnis macht, ist die Reibung zwischen dem Gezeigten und dem Nichtgezeigten: zwischen den Bildern, zwischen Bild und Ton, On und Off – Leinwand und Publikum. Die 51. Ausgabe des Jahrbuchs CINEMA steht ganz im Zeichen der «Momentaufnahme», welche die flüchtige Erotik dieses Zeitmediums einzufangen versucht. Journalistische Beiträge stehen neben wissenschaftlichen und diese wiederum neben (foto-)essayistischen.

Beiträge von Annette Althaus, Johannes Binotto, Natalie Böhler, Philipp Brunner, Antonia Camponovo, Thomas Christen, Luzia von Deschwanden, Eleonore Frey, Anita Gertiser, Jen Haas, Daniela Janser, Ursula von Keitz, Francesco Laratta, Bea Lauper, Julia Marx, Daniele Muscionico, Ilma Rakusa, Birgit Schmid, Doris Senn, Daniel Stapfer, Mariann Sträuli, Sandra Walser, Michèle Wannaz.

CINEMA 51 bestellen via Schueren Verlag

14.1.2006, 17:32 | Permalink

Essay [CINEMA 50]

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]


Editorial

Thema: Essay
Thomas Tode
La règle du jeu als Essayfilm

Harun Farocki
Der Krieg findet immer einen Ausweg

Mirjam Staub
Himmerl unter Berlin

Flavia Giorgetta
Kinowandeln

Catherine Silberschmidt
"Man sollte sehen, was ich höre, wenn ich schreibe"

Peter Liechti
Hans im Glück

Marcy Goldberg
Gehen, denken, drehen

Natalie Böhler
A Fortress in Ruins

Patrick Straumann
Eine Gespenstergeschichte für ganz Erwachsene

Jean Perret
Augenblicke der Wirklichkeit

Isolde Schaad
Pirschendes Auge - Rebellischer Kopf

Natalie Böhler, Veronika Grob
Variations on a True Story

Felix Aeppli
Zehn unvergängliche Momente des Schweizer Films, 1954-2004

Jubiläum
Thomas Schärer
Die Kunst der Selbstverjüngung

Ivo Kummer
Ein Forum für die Schweizer Filmkultur

Kristina Trolle
Das legendäre Kino im Herzen von Zürich

Filmbrief
Walter Ruggle
Die Zeit ist eine Blutwurst

Micha Schiwow
Warten auf neue Erfolge

Index
Kritischer Index der Schweizer Produktion 2003/2004

10.1.2005, 15:25 | Permalink

Editorial Essay [CINEMA 50]

Von  Redaktion [ Frühere Ausgaben ]
CINEMA erscheint hiermit im 50. Jahrgang. Das Jubiläumsbuch zu diesem stattlichen runden Geburtstag präsentiert sich mit dem Titel «Essay» und will damit der Feier ein Motto geben. Ein Motto, das nicht ganz uneigennützig die Arbeit an CINEMA selbst widerspiegeln und inspirieren soll. Denn mit Essay ist hier sowohl die Filmform als auch die Textgattung gemeint, die beide immer wieder durch ihre offene und selbstreflexive Art des Nachdenkens neue Erkenntnisräume wie auch sinnliche Erlebnisse erschlossen haben.

Sei es in Bild und Ton oder mit dem Wort, filmische wie literarische Essays gehen ihre Themen gerne aus verschiedenen Perspektiven an. Sie haben den Mut, blinde Flecken zwischen den Blickachsen wie auch unvermeidliche Paradoxien bei deren Überschneidungen auszuhalten und diese dem Publikum zur Interpretation darzubieten. Essays verwirren, verunsichern mitunter, lassen aber nicht locker, bis sich zwischen den Assoziationen und Fragmenten tiefere Bedeutungs-schichten erkennen lassen. Bedeutungsschichten, zu denen man allein mit stringenter Argumentation – mit den Konventionen der geschlos-senen filmischen Form – oft nicht hätte vordringen können. Gerade darin besteht im Grunde der Versuch (essay): Zwischenräume, die zwischen scharfem linearen Denken und scheinbar willkürlicher künstlerischer Intuition liegen, auszunützen und gewissermassen den Intellekt mit Poesie zu überlisten oder umgekehrt.

Es ist der grösste und nicht unbescheidenste Geburtstagswunsch von CINEMA, sich auch in Zukunft einige dieser Ingredienzien des Essayistischen zu bewahren: Betrachtungen aus verschiedenen Perspektiven Raum zu geben, scharfe Argumente zu fördern, aber auch einmal die denkerische Leerstelle zuzulassen.

Vor allem aber wollen wir von der Beweglichkeit und Entdeckungslust unserer Leserinnen und Leser ausgehen und ihnen das Vergnügen und die Herausforderung ermöglichen, über die Aufsätze hinauszu-denken oder sie zuweilen fertig zu denken.

Um selbst agil und neugierig zu bleiben, hat CINEMA im letzten halben Jahrhundert immer wieder versucht, verschiedene Denk- und Dar-stellungsformen zusammenzubringen, und sich als Forum für den Dialog zwischen Filmschaffenden, Künstlern, Kritikern und Wis-senschaftern begriffen. Hier wird nach neuen Formen von Schreiben über Film gesucht, und bisweilen dürfen auch Bilder über Bilder sprechen. Deshalb gilt wohl schon für etliche Generationen von CINEMA-Redaktionen, dass sie ihre Publikation – vom Heft über die Viertel-jahresschrift bis zur heutigen Form als Jahrbuch – immer eher als Versuch oder als Projekt denn als abgeschlossenes, singuläres Erzeugnis verstanden haben.

Autoren und Autorinnen, die dem Buch schon lange verbunden sind, ergriffen für die vorliegende Jubiläumsausgabe die Carte blanche, die das Thema «Essay» ihnen offerierte. Während sich einige Texte – mit teils ungewohnten Fragestellungen – dem essayistischen Aspekt in Filmen von Jean Renoir, Marguerite Duras und Atom Egoyan widmen, haben andere Beiträge die Form des Essays gewählt und umkreisen Sujets wie die paradoxale filmische Erzählzeit, den Bilderkampf im Golfkrieg, das Leben der Multimedia-Künstlerin Isa Hesse-Rabinowitch und – in assoziativer Verdichtung – die Autobiografie einer Kinogängerin.

Die experimentelle Form des Essays inspirierte mehrere Autoren
dazu, Bilder und Texte gemeinsam sprechen zu lassen. Zwischen Filmsequenz und Fotografie ist Mirjam Staubs Bildessay mit dem wandelnden «Himmel unter Berlin» anzusiedeln. Nicht zuletzt melden sich mit Peter Liechti und Thomas Imbach auch zwei Schweizer Vertreter des Essayfilms zu Wort.

CINEMA will seinen runden Geburtstag nicht alleine feiern. In der Jubiläums-Rubrik gratuliert das Filmjahrbuch auch den Solothurner Filmtagen zum vierzigsten und dem Programmkino Xenix zum fünfundzwanzigsten Geburtstag.

Der Filmbrief wurde diesmal gleich doppelt in der Schweiz abgeschickt. Und wie immer bietet abschliessend der kritische Index einen Überblick über das Schweizer Filmschaffen des vergangenen Jahres.

Was CINEMA heute ist, und dass es überhaupt noch ist, verdanken wir in erster Linie unseren Vorgängerinnen und Vorgängern in der Redaktion, den Mitarbeitenden bei der Gestaltung sowie den Verlagen, die das Publizieren ermöglicht haben.

Wir freuen uns im Übrigen mit dem Schüren Verlag einen neuen Partner gefunden zu haben, der dem CINEMA wieder neuen professionellen Aufschwung verleiht.

Schliesslich stellen die Beiträge des Bundesamts für Kultur sicher, dass der innerhalb der Schweizer Filmpublizistik in dieser Langlebigkeit einzigartige «Versuch» weitergeführt werden kann.

Vor allem geht unser herzlicher Dank an alle Autorinnen und Autoren, die CINEMA geprägt haben und weiter prägen werden, sowie an unsere Leserinnen und Leser, für die wir diese Bücher herausgeben.

Für die Redaktion
Veronika Grob und Jan Sahli



01.12.2004, 14:06 | Permalink
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