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<wml xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head><meta http-equiv="Content-Type" content="text/vnd.wap.wml;charset=ISO-8859-1"/></head><card id="main" title="KAYWA"><p><big>CINEMA</big><br/>unabh&#xE4;ngige Schweizer Filmzeitschrift<br/></p><p><small>01.12.1998,&#xA0;00:00</small><br/><b><a href="http://www.cinemabuch.ch/mobile/selection-cinema/blind_date.html">Blind Date [Robert Bouvier, Martin Rengel, Marcel Gisler, Manuela Stingelin, Jacqueline Surchat]</a></b></p><p>&#xAB;Blind Date&#xBB;: Zwei Personen verabreden sich, ohne genau zu wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wer Geschichten &#xFC;ber Blind Dates erz&#xE4;hlt, bewegt sich in einem mittlerweile klassischen Themenumfeld: Ausbrechen aus der Isolation, Schicksal spielen, Angst ausleben, Anerkennung oder einen Partner finden. F&#xFC;r filmische Umsetzungen liegt ein Motiv besonders nahe: Der Moment der Identifizierung (&#xAB;Sind Sie es?&#xBB;) wird von der Hauptfigur vorweggenommen; die Phantasie zoomt &#xE4;ngstlich oder hoffnungsvoll heran, was sich in der realen Begegnung ereignen k&#xF6;nnte. Zwischen Abmachung und Begegnung legt sich das exzessive Spiel der antizipierenden Imagination.
Das Produktionskonzept, dem die insgesamt zw&#xF6;lf Blind Date-Filme ihre Existenz verdanken, sorgt f&#xFC;r inneren Zusammenhang, wenn nicht gar f&#xFC;r eine gewisse Monotonie der Zugangsweisen. Die Filme bauen in grosser Mehrzahl ihre Geschichten auf Kontaktverabredungen auf, die von einem Protagonisten bzw. einer Protagonistin her erz&#xE4;hlt werden, einen Erwartungsdruck aufbauen und mit Momenten der &#xDC;berraschung enden.
So verst&#xE4;rken Christoph Schaubs Einfach so und Blaise Piguets Le chevalier &#xE0; la rose den inneren Erfolgsdruck ihrer jungen ProtagonistInnen dadurch, dass sie dominante Elternteile auftreten lassen, bevor das Blind Date stattfindet. Bei Schaubs Hauptfigur Angela ist es die Mutter, bei Piguets Seppi der Vater. Einfach so positioniert die nerv&#xF6;se Angela an der Bar eines noblen Restaurants, wo sie einem andern Blind-Date-Wartenden begegnet, der aber - wie sich erweist - nicht auf Angela wartet, sondern von einer anderen Frau an deren Tisch gebeten wird. Diese Verdoppelung der Blind-Date-Situation m&#xFC;ndet in eine &#xFC;berraschende, etwas simple Wendung: Durch einen Unfall von Angelas Hund wird die Barbekanntschaft dennoch zur m&#xF6;glichen Liebschaft. Das Potential der sich bis dahin dicht und schauspielerisch &#xFC;berzeugend entwickelnden Story wird so nicht optimal ausgesch&#xF6;pft. Le chevalier &#xE0; la rose geb&#xE4;rdet sich mysteri&#xF6;ser und phantastischer, um schliesslich zu einer ebenso &#xAB;flachen&#xBB; Aufl&#xF6;sung zu gelangen: Eine ganze Serie von Personen, welche im Zug nach Lausanne dem l&#xE4;ndlichen Annoncenaufgeber Seppi begegnen, erweist sich als alptraumhafte Familie von Rosa (mit der sich Seppi eigentlich treffen wollte).
Wo Schaub und Piguet ihre Geschichte relativ unsanft auf den Boden &#xFC;berraschender &#xAB;Tatsachen&#xBB; herunterholen, hebt Samirs Ang&#xE9;lique in einer stetigen Bewegung ab - der Schluss seiner Liebesphantasie bietet einen veritablen Angst-Lust-Abflug mit himmlischer Landung im Bett. Von Anfang an wird dramaturgischer Ballast abgeworfen: Der von Beziehungsangst geplagte Alessandro braucht im Grunde nur einen ersten Blick auf die &#xFC;beraus attraktive Ang&#xE9;lique im Bistro zu werfen, um die panische Flucht durch Genf zu ergreifen, w&#xE4;hrend sich parallel dazu der Film aus den Fesseln von Plausibilit&#xE4;t und realistischer Verankerung befreit.
Anka Schmids Little Sister bleibt rundum darin haften. Wir sehen die P&#xF6;stlerin Lisa in einem Geschehen, das weder grosse Wendungen noch veritable Begegnungen kennt, sondern von einer innerlichen Befreiung handelt, die sich im &#xC4;usseren bloss spiegelt: die gestohlenen Postkarten in Lisas Badezimmerisolation, dann eine Annonce durch ihre Schwester, schliesslich die Briefe und Fotos von Bewerbern, welche Lisa mit neuem Selbstbewusstsein in die Welt hinaustreten lassen.
Begleitfiguren wie Lisas Schwester (Little Sister ), Angelas Hund (Einfach so ) oder Rosas Vater (Le chevalier &#xE0; la rose ) sind notd&#xFC;rftig in die Filme eingebaut. Sie entwickeln eine &#xFC;bergrosse Pr&#xE4;senz, ohne zus&#xE4;tzliche Dimensionen zu erschliessen. Besser verschr&#xE4;nkt mit der &#xFC;brigen Handlung ist etwa die Oberin in Les voies du seigneur von Antoine Plantevin - eine brav-frivole Farce um eine junge Nonne, die mit stetigem Schielen auf den Himmel einen H&#xE4;ftling auf Urlaub empf&#xE4;ngt. Oder die Tochter der Hauptfigur in Bianca Conti Rossinis Joyeux No&#xEB;l : Das achtj&#xE4;hrige M&#xE4;dchen &#xF6;ffnet in pr&#xE4;gnanten, gut orchestrierten Dialogfetzen ein dichtes Netz von Bez&#xFC;gen rund um das Blind Date, welches am Weihnachtsabend zwischen der Mutter und dem potentiellen Vater stattfinden soll.
Conti Rossinis Film scheitert erst dort, wo es gilt, die gekonnt aufgebaute Phantasiedynamik zwischen Tochter und Mutter auf- und einzul&#xF6;sen. Joyeux No&#xEB;l wird selbst zum Opfer der Falle, die der Film aufbaut: Die Erscheinung der &#xAB;angek&#xFC;ndigten Person&#xBB; nimmt die vorher entwickelte Vielschichtigkeit weg und setzt einen (absehbaren) Knalleffekt, wo ein feiner Schlussakkord gefragt w&#xE4;re. Der Vorhang reisst mit einer z&#xFC;nftig-absehbaren &#xDC;berraschung, und damit hat es sich. So auch in L&#x2032;hacienda du bonheur von Heikki Arekallio: Die sorgf&#xE4;ltig exponierte Figur der alleinerziehenden Mutter Silvia findet den beg&#xFC;tert klingenden anonymen Telefonpartner abrupt im Fenster des Nachbarhauses wieder - als Aufschneider, mit dem sich nun pl&#xF6;tzlich ein realit&#xE4;tsnahes Gl&#xE4;schen Wein verabreden l&#xE4;sst. Die Pointe erinnert an TV-Werbung.
Vier der f&#xFC;nf Filme, die nicht in die Kinoserie Blind Date aufgenommen wurden, folgen einem &#xE4;hnlichen Muster: Phantasie seitens der Protagonisten und / oder Zuschauer, die ein wenig wuchert und schliesslich in mehr oder weniger grob erz&#xE4;hlten Momenten der Desillusionierung in eine allt&#xE4;glichere Sph&#xE4;re zur&#xFC;ckgeholt wird. In Bacigalupo (Robert Bouvier) ist es eine Frau, die sich im Cabaret von einem &#xAB;blinden&#xBB; Maler via tastende Streicheleinheiten malen und verzaubern l&#xE4;sst. Toms Traumfrau (Manuela Stingelin) zeigt den Titelhelden auf der Suche nach einer ihm prophezeiten, musikinteressierten Traumfrau, die sich dann als B&#xE4;ckerin (und, wie gehabt, Nachbarin) entpuppt. Jacqueline Surchats Monsieur Vitali l&#xE4;sst eine &#xE4;ltere Witwerin mit einem netten Jungen in die Irre gehen. Pfeffer und Salz (Martin Rengel), der sich formal wohltuend von den &#xFC;brigen Filmen abhebt, vermischt Bilder von einer orientalischen Frau mit telefonischen Dialogfragmenten zweier Menschen auf dem Weg zu einer Verabredung.
Die meisten Filme - ausgenommen vielleicht Ang&#xE9;lique - haben ihre liebe M&#xFC;he dort, wo sich Tonarten des Phantastischen oder Traumatischen mit grotesk-komischen Momenten verschr&#xE4;nken (sollten). Marcel Gislers Madeleine , der daraufhin angelegt ist, scheitert an seiner Schwerf&#xE4;lligkeit. Der unbeholfene Feuerwehrmann Pierre wird von seiner Blind-Date-Traumfrau erst geliebt, als er sie aus einer realen Feuersbrunst erretten kann. Viel zu selten - das l&#xE4;sst sich wiederum von der Blind Date-Serie insgesamt sagen - stimmt das Verh&#xE4;ltnis zwischen dem szenischen Aufwand und dem emotionalen, humoristischen oder poetischen Ertrag. Aus einem grossen Effort des Augenzwinkerns - oft mit guten Schauspielerleistungen - entwickelt sich zumeist ein ziemlich kleiner Charme.
&#xA0;</p><p><small><a href="http://www.cinemabuch.ch/mobile/selection-cinema/blind_date.html">Kommentare</a>&#xA0;(1)
        <br/>Kategorie:&#xA0;<a href="http://www.cinemabuch.ch/mobile/selection-cinema">S&#xE9;lection CINEMA</a><br/></small></p><p><a href="http://www.cinemabuch.ch/mobile/p340.html">&#xAB; zur&#xFC;ck</a>
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