Plattform für die liebevolle Auseinandersetzung mit Film
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Kultur
Plattform für die liebevolle Auseinandersetzung mit Film
Mit einem Podium zum Thema «Schreiben über Film» feierte «CINEMA»
seinen 50. Geburtstag.
Von Nicole Hess
Die Publikationen, in denen abseits der Tageskritik über Film nach-gedacht und geschrieben wird, sind in der Schweiz dünn gesät. Als einzige Filmzeitschrift im klassischen Sinn hat das monatlich erscheinende Filmbulletin überlebt; dazu kommt - in abgewandelter Form - das Trigon-Magazin, das seit 1997 Filme des Verleihs mit Interviews, Hintergrundartikeln und ausführlichen Kritiken begleitet.
Fast schon wie ein Wunder mutet in der rauen wirtschaftlichen Landschaft das Bestehen von «CINEMA» an, das heuer seinen 50. Geburtstag feiert: Dank der «Kunst der Selbstverjüngung» (so der Titel der «CINEMA»-Firmengeschichte von Thomas Schärer in der Jubiläumsausgabe) hat die ehrwürdige Publikation fünf Jahrzehnte Schweizer Filmgeschichte überdauert. Aus dem viertel-jährlichen «Nachrichten- und Kampfblatt» der Filmklubs von 1955 wurde über zahlreiche Mutationen das klassisch gebundene Jahrbuch, das sich als «unabhängige Plattform des Nachdenkens
über Film» versteht.
Eine der intensivsten Zeiten erlebte die Publikation in den Sechziger- und Siebzigerjahren, als sich die Redaktion unter «Spiritus Rector» Martin Schaub als kritische Begleitung des Neuen Schweizer Films verstand. In den Jahren danach verschob sich der Fokus etwas: Der politische Blick geriet in den Hintergrund; filmwissenschaftliche und medientheoretische Fragestellungen rückten ins Zentrum. Parallel dazu wandelten sich auch die Textsorten, in denen über den Film als Kunstform oder Phänomen nachgedacht wurde.
Konkreter Ausdruck dieser Öffnung ist das aktuelle Jahrbuch zum Thema «Essay», das etwa in der Form von Tagebüchern «Versuche» über das Medium Film anstellt. Zeugnis vom lebendigen Austausch über die «richtige Form» legte auch das Podium zu «Schreiben über Film» ab, mit dem die «CINEMA»-Redaktion im Zürcher Filmpodium den runden Geburtstag feierte. Unter der Leitung von Martin Walder, Filmredaktor der «NZZ am Sonntag», dachten fünf Schreibende laut über ihre Berufe nach: die Filmprofessorin Margrit Tröhler, der Publizist Thomas Tode, Andreas Furler, Ko-Leiter des Filmpodiums, der Drehbuchautor Peter Purtschert und Flavia Giorgetta von «CINEMA».
Rezension als Wegwerfpapier?
Am lebhaftesten wurde die Diskussion, die wegen der anschliessenden Filmvorführung etwas kurz ausfiel, bei der These, Filmpublikationen wie das «CINEMA» oder wissenschaftliche Texte brächten gegenüber der Filmkritik in Tageszeitungen einen eindeutigen Mehrwert. Furler ehemaliger Filmredaktor des TA, hielt der Aussage die Unproduktivität vieler umfangreicher Artikel entgegen. Und Tröhler stellte in Abrededass es sich bei Tageskritiken um «Wegwerfpapier» (Tode) handle: «Wir versuchen alle, Mehrwert zu produzieren. Rezensionen sind für mich als Material und Inspirationsquelle wichtig.» Allen Anfechtungen zum Trotz dürfte es sich bei der Filmkritik also (noch) nicht um ein «Auslaufmodell» handeln, wie Walder ketzerisch formulierte.
CINEMA. Schüren-Verlag, Marburg, 2005. 208 Seiten, 34 Fr.

