Matchmaker – Auf der Suche nach dem koscheren Mann [Gabrielle Antosiewicz]

Von Laura Daniel [ Sélection CINEMA ]
Matchmaker

Eine 30-jährige jüdische Regisseurin spielt mit dem Gedanken, sich zu vermählen. Neugierig darauf, was auf dem schweizerisch-jüdischen Heiratsmarkt verfügbar ist, macht sie sich auf die Suche nach dem richtigen Mann. Aber wie koscher soll er denn sein? Gabrielle Antosiewicz bezeichnet sich selbst als eine «Dreitagesjüdin», d.h. sie übt ihre Religion nur an den drei höchsten jüdischen Feiertagen aus.

Um herauszufinden, wie wichtig das Judentum in einer Ehe werden könnte, lädt sie vier Heiratskandidaten zum «Casting» in ihre Küche,mit ihr die Challe, den traditionellen Zopf, der von orthodoxen Juden am Freitagabend gegessen wird, zu backen. Denn eignet sich nicht die Küche bestens dafür, um etwas über den zukünftigen Gemahl herauszufinden? Nicht nur, um ihm die wahre Gretchenfrage moderner Beziehungen zu stellen, wie er es denn mit der Rollenverteilung halte, sondern auch, um gleich zu sehen, wie er sich am Herd anstellt. Über Diskussionen, ob Lebensmittel wegzuwerfen sind, wenn sie sich als nichtkoscher entpuppen, und die Frage nach der Bereitschaft, für die Liebe seines Lebens zu einer anderen Religion zu konvertieren, bietet uns das Küchencasting gleichermassen witzige wie tiefe Einblicke in das Verhalten paarungswilliger Singles. Um das Bild abzurunden, werden diese höchst amüsanten Sequenzen mit Interviews gespickt: So kommen junge und ältere, säkulare und orthodox lebende Juden aus drei Familien zu Wort und geben dem Publikum einen Einblick in die Vielfalt jüdischen Lebens in und um Zürich. Ein besonderes Schmankerl bieten die Auszüge aus dem Stummfilm Jüdisches Glück (Alexander Granovsky, R 1925), in dem gleich Dutzende heiratswillige Frauen nach Amerika verschifft werden, weil dort der jüdische Heiratsmarkt brachliegt.

Am Ende dieses Selbstversuchs steht fest, dass jüdisch-orthodoxe Männer nicht zwangsläufig bessere Challe-Bäcker sind. Ein Mann für die Regisseurin bleibt aber ebenfalls aus. Jüdisch müsse er nicht unbedingt sein, folgert die Regisseurin, aber einen humorvollen, einfühlsamen, intelligenten und liebenswerten Mann hofft sie – so Gott will – dennoch zu finden.

Mit Witz, Mut und Charme erzählt Gabrielle Antosiewicz in ihrem dritten Dokumentarfilm von der Suche nach dem geeigneten Mann und von der Auseinandersetzung damit, inwiefern Religionszugehörigkeit entscheidend ist für die Partnerwahl und den Erfolg einer Ehe. Zwar bieten die auf VHS gedrehten Talking-Head-Sequenzen formal nichts Neues, sie werden aber durch überraschend persönliche Einblicke in jüdische Liebes- und Lebensgeschichten in der Schweiz sowie eine geschickte Montage allemal wettgemacht. So kommentiert Corinne Amiache, eine orthodox lebende Jüdin, beim Frühlingsputz, ihr Ehemann und die Kinder dürften ruhig auch mithelfen, sonst seien vom Publikum wieder Leserbriefe zu erwarten, weshalb bei den Juden eigentlich immer die Frauen putzen müssten.

Am Schluss des Films sehen wir die Regisseurin über die Zürcher Rathausbrücke hechten. Dabei trägt sie zum klassischen Brautkleid aber Turnschuhe, frei nach dem Motto: Für die gelungene Mischung nehme man von allem ein bisschen.


P: C-Films (Zürich), Mishmash Film (Zürich), SF DRS 2005. B: Gabrielle Antosiewicz, Tamar Lewinsky. R: Gabrielle Antosiewicz. K: Michael Spindler. S: Yves Scagliola. T: Reto Stamm. M: Domenico Ferrari. V: Frenetic Films (Zürich). W: C-Films (Zürich).
Beta SP, Farbe, 70 Minuten, Schweizerdeutsch.


Kommentare

Michael Reinert - micha.reinert [at] arcor.de
2009-07-28 00:50:05

Liebe Gabrielle,
gerade habe ich bei phoenix den wunderbaren Film "Matchmaker" gesehen. Dieser Film ist überaus lehrreich und amüsant! Auch Sie selber haben sich mit viel Mut und Selbstironie in Szene gesetzt. Es war interessant zu hören, wie eine junge jüdische Dame aus der Schweiz auf die Suche nach geeigneten Männern geht. Ich hab mich in so vielen Anmerkungen selber wieder erkannt, obwohl ich ein katholischer Mann aus München bin. Ich hab auch immer versucht, die geeignete Frau kennen zu lernen. Ich war zweimal verheiratet, einmal mit einer Amerikanerin, einmal mit einer Oberbayerin. Ich war so verliebt, aber es hat nie funktioniert. Dennoch hoffe ich, dass ich nicht bitter geworden bin. Neben der besten Unterhaltung, die man beim Fernsehen erhalten kann, mit Humor und Intelligenz, machte Ihr Film auch Mut. Dafür vielen Dank!!!
Ihnen alles Gute und meine besten Wünsche, dass Sie Ihren koscheren Traummann noch finden.
Liebe Grüße aus München
Michael

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