Being Azem [Tomislav Mestrovic, Niccolò Settegrana]

Von Christina von Ledebur [ Sélection CINEMA ]
Being Azem

Las Vegas, 2006: Azem Maksutaj, fünffacher Weltmeister im Thaiboxen, steht kurz vor seinem wichtigsten Kampf. Nach 17 Jahren im Kampfsport erhält er die Möglichkeit, am so genannten K1 Battle at Bellagio zu kämpfen, ein Kampf, der gemäss Azems Trainer als «Mass aller Dinge» im Thaiboxen gilt. Gewinnt er, nimmt er als erster Schweizer seit Andy Hug am K1 Grandprix-Finale in Tokio teil. Für den «Black Eagle» – so Azems Kampfname – würde ein Sieg gegen den K1-Veteran Ray Sefo die Erfüllung seines Lebenstraums bedeuten. Doch die Vorbereitungen sind hart: Für den Kampf gegen Sefo muss Azem eine Gewichtsklasse aufsteigen, was ihm eine knallhartes Training abfordert. Seine Freundin leidet unter der ständigen Anspannung. Bei einem Wutausbruch zu Hause verletzt sich Azem zudem an der Hand. Und der Tag des Kampfes naht unausweichlich.

Die beiden Filmemacher Niccolò Settegrana und Tomislav Mestrovic begleiten in ihrem Dokumentarfilm Being Azem Azem Maksutaj Schritt für Schritt bei seinen Vorbereitungen für den alles entscheidenden Kampf. Doch nicht nur das: Sie porträtieren den Kampfsportler auch privat. Sie begleiten den Kosovoalbaner, der seit kurzem einen Schweizer Pass besitzt, in sein Heimatdorf, das er mit 15 Jahren in Richtung Schweiz verliess. In Homevideoaufnahmen seiner Freundin Njomza, die sich formal vom Rest der Kameraarbeit unterscheiden, zeigt sich Azem von seiner verletzlichen, manchmal gar von seiner verletzenden Seite. Wir erleben, wie ungehalten Azem gegenüber seiner Liebsten sein kann, wenn er die Nervosität vor einem Kampf fast nicht mehr aushält.
Durch die Mischung aus spannungsgeladenen Momenten vor dem Kampf und Einblicken in Maksutajs Alltag gelingt Mestrovic und Settegrana ein äusserst facettenreiches Porträt des Sportlers, so dass der Film das Versprechen, dass er mit seinem Titel Being Azem – zu Deutsch «Azem sein» – macht, durchwegs einlöst.

Das Porträt vermag auch ästhetisch zu überzeugen. Ko-Regisseur Nicolò Settegrana war zugleich auch der Kameramann von Being Azem. Er hat eine subtile Bildsprache für das Sujet Kampfsport gefunden. Die Kampfszenen werden nicht überstilisiert, sondern wirken echt und nah. Der Thurgauer hat sich als Kameramann bei Werbefilmen und Musikvideos einen Namen gemacht, er arbeitete aber auch immer wieder beim Spielfilm, zum Beispiel bei Peter Luisis Veflixt verliebt (CH 2004) oder Luzius Wespes Kurzfilm Schnäbi (CH 2006). Für die Filmmusik zeichnet Beat Solèr, besser bekannt unter seinem DJ-Pseudonym Seelenluft.

PRODUKTION: Pi-Filme GmbH (Zürich), Teleclub AG (Zürich), SF 2010. BUCH: Tomislav Mestrovic, Nicolò Settegrana. REALISATION: Tomislav Mestrovic, Nicolò Settegrana. KAMERA: Nicolò Settegrana. TON: Claude Wahrenberger. SCHNITT: Niklaus Siebenkorn, Thomas Meister. M: Beat Solèr. VERLEIH: Pi-Filme GmbH (Zürich). WELTRECHTE: Pi-Filme GmbH (Zürich).
35mm, Farbe, 87 Minuten, Deutsch/Schweizerdeutsch/Albanisch/Englisch/Französisch/Japanisch.