Oscar [Oliver Martinez]
| Von Natalie Böhler | [ Sélection CINEMA ] |
Jahre später: Oscar, mittlerweile erwachsen und Vater eines kleinen Fussballers, sitzt neben seinem Vater auf der Zuschauertribüne und erinnert sich an seine glorreichen, aber traurigen Stunden auf dem Rasen. Beim Bratwurstholen verpasst er das Tor seines Sohnes und wird deshalb von seinem Vater zünftig gerügt; ausserdem sei Ketchup zur Bratwurst ja wohl das Letzte. Unerwarteterweise kommt es dann doch noch zur späten, lakonischen und tröstlichen Versöhnung zwischen Vater, Sohn und der Vergangenheit – bei Bratwurst und Fussball, wie es sich für eine rechte Männergeschichte gehört.
Roberto Martinez, ehemaliger Hobbyfussballspieler und spanischer Secondo aus Dietikon, hat mit seinem Diplomfilm an der HGK Zürich ein kleines, feines Glanzstück geschaffen. Ein nahezu perfektes Timing im Bild- und Tonschnitt – Grundvoraussetzung jeder guten Komödie – und knappe, treffend pointierte Dialoge machen aus Oscar eine humorvolle, leichtfüssige und herzliche Betrachtung eines eigentlich sehr komplexen Themas: dem Hunger nach elterlicher Anerkennung. Spanische Machismo-Klischees werden ironisch aufs Korn genommen: Zu den Fussballszenen in Zeitraffer gesellt sich eine schrummende Flamenco-Gitarre, und die Diskussion um Ketchup oder Senf lässt die Männer in ihrer ganzen Verletzlichkeit erscheinen. Der Moment der Versöhnung ist, wie so oft, einfacher und zugleich banaler, als man aufgrund jahrelanger Zweifel meint.
P: Hochschule für Gestaltung und Kunst und Schweizer Fernsehen DRS (Zürich) 2003. B, R: Roberto Martinez. K: Marcell Erdélyi. T: Fritz Rickenbacher. S: Arne Hector. M: Crimson Sinclair, Carlos Vega. D: Domenico Pecoraio, Andres Algar, Thaer Al Temimi, Nicola Mastroberadino. V, W: Hochschule für Gestaltung und Kunst (Zürich).
35 mm, Farbe, 8 Minuten, Schweizerdeutsch, Spanisch.

