Tarte aux pommes [Isabelle Favez]

Von Doris Senn [ Sélection CINEMA ]
Tarte aux pommes

Eine Katze. Eine Bäckersfrau. Ein Metzger. Ein Jäger mit Hund. Die Katze trägt ein Glöckchen, das den Metzger nachts nicht schlafen lässt. Die verliebte Bäckerin stellt dem Metzger jeden Tag heimlich einen Apfelkuchen vor die Tür. Der Jäger bringt seine erlegten Hasen zum Metzger, während der Hund jeweils ungesehen vom Apfelkuchen nascht. So eröffnet der Animationsfilm Tartes aux pommes seinen Erzählreigen und fügt Missverständnis an Missverständnis und Missgeschick an Missgeschick – um schliesslich, nach immer wieder überraschenden Wendungen, in einer pfiffigen Schlusspointe zu enden. Die 32-jährige Bernerin Isabelle Favez hat sich mit ihren Animationsfilmen bereits einen klingenden Namen gemacht und schafft es auch hier, mit einfachen Mitteln eine gewitzte Geschichte zu erzählen. Wie in einem Kinderreim fügen sich in Tarte aux pommes eine Handvoll Elemente zu einer Erzählspirale, die sich um ein Leitmotiv – das Glöckchen der Katze – dreht. Und wie schon in der Endlos-Liebesgeschichte Replay (1999), ihrem Abschlussfilm an der HGKZ, verschlauft Favez geschickt und humorvoll Figuren und Handlungsfäden.

Tarte aux pommes basiert auf einer 2-D-Animation in einer schlichten und bunten Szenerie aus Tuschzeichnung und bunten Papiermustern, aus denen auch die rundlichen Figürchen mit den Punkt-Punkt-Strich-Gesichtern geschaffen sind. Die Handlung kommt praktisch ohne Worte aus: Lautmalerisches ersetzt den Dialog, während die Zigeunermusik der Gruppe Bratsch der Story etwas Balkan-Flair verleiht. Mit Tarte aux pommes bleibt Favez ihrem Lieblingsthema vom Fressen und Gefressenwerden treu, das sie schon in Les voltigeurs (2002) und Circuit marine (2003) zu kleinen Erzählungen fügte. Angereichert mit amourösen Verstrickungen – weil Liebe bekanntlich durch den Magen geht – ist daraus eine muntere kleine Fabel entstanden, die für Kinder und Erwachsene gleichermassen funktioniert und für die Favez bereits erste internationale Auszeichnungen erhalten hat.


P: Swiss Effects (Zürich), SF 2006. B, R: Isabelle Favez. S: Fee Liechti. T: Guido Keller, Loïc Burkhardt. M: Bratsch. V, W: Swiss Effects (Zürich).
35 mm, 10 Minuten, Farbe, ohne Dialog.