THOMAS HUNZIKER

DER KLEINE VOGEL UND DIE BIENEN

Leise zwitschernd ist er wieder mit seiner Giesskanne unterwegs: Im Animationsfilm Der kleine Vogel und die Bienen erlebt der niedliche schwarze Vogel mittlerweile sein viertes Abenteuer. In dieser Episode befinden sich drei Blüten an seinem Ast. Als sie sich öffnen, erhält der kleine Vogel Besuch von einer Biene. Neugierig folgt der Vogel der Biene, spielt mit Pusteblumen und bringt mit den entsamten Stielen Blumen zum Klingen. Doch der hungrige Fuchs ist natürlich auch nicht weit.
 
2012 stellte die Filmemacherin Lena von Döhren mit Der kleine Vogel und das Blatt das erste Werk in dieser Reihe vor. Darin jagt der kleine Vogel dem letzten Blatt nach, das im Winter von seinem Ast abfällt, während er gleichzeitig vom hungrigen Fuchs gejagt wird. 2014 folgte dann Der kleine Vogel und das Eichhörnchen, in dem ein Eichhörnchen die Giesskanne für die Bewässerung einer Eichel entwendet. 2017 möchte in Der kleine Vogel und die Raupe eine furzende Raupe die Blätter am Baum fressen.
 
Die Titel fassen jeweils schon ziemlich kompakt zusammen, was die 4 Minuten langen Episoden beinhalten. Der kleine Vogel entdeckt jedes Mal ein Element aus seiner kleinen Welt. Stets mit dabei hat er seine für die Bewässerung des Astes benötigte Giesskanne, die allerdings in jeder Episode eine andere Farbe hat. In jeder Folge begegnet der kleine Vogel ausserdem einem neuen Waldbewohner, wobei der Fuchs ein Dauergast ist.
 
Die charmant verspielten Abenteuer des kleinen Vogels sind schon für Kleinkinder leicht zugängliche Animationsfilme, wobei die Auftritte des Fuchses durchaus für Schreckmomente sorgen. Da sein Ansinnen aber immer zum Scheitern verurteilt ist und sich der kleine Vogel mit seinen Gefährten durchaus zu wehren weiss, lösen sich diese Augenblicke der Angst immer schnell humorvoll auf.
 
In prägnanten Farben und klaren Strukturen zeichnet von Döhren die Erlebnisse des kleinen Vogels auf. Dabei setzte sie bisher dezente Zeicheneffekte ein. Eher auffallend ist in dieser Hinsicht hingegen die Biene aus der aktuellen Episode, deren Flug als wirres Strichgewusel dargestellt wird, das in einer Szene sogar den Fuchs durcheinander wirbelt. Auf Musik verzichtet von Döhren für die Serie. Dafür nimmt die von Christof Steinmann präzise gestaltete Geräuschkulisse eine prominente Stellung ein. Das Knarren des Astes, das aus der Giesskanne plätschernde Wasser und natürlich das Zwitschern des kleinen Vogels erwecken die Fabelwelt zum wundersamen Leben.
Thomas Hunziker
*1975, Studium der Filmwissenschaft, Anglistik und Geschichte an der Universität Zürich. Er arbeitet als Radiologiefachmann und betreibt das Filmtagebuch filmsprung.ch. Mit seiner Partnerin und zwei Kindern lebt er in Schaffhausen.
(Stand: 2021)

[© cinemabuch – seit über 60 Jahren mit Beiträgen zum Schweizer Film  ]