Mit Ma Vie de Courgette (CH 2016) eroberte der Schweizer Filmemacher Claude Barras vor acht Jahren die Animationswelt im Sturm. Der berührende Stop-Motion-Film über den kleinen Waisenjungen Courgette gewann zahlreiche Preise und wurde für einen Oscar und einen Golden Globe nominiert.
Nun soll Barras’ zweite Regiearbeit Sauvages, eine familienfreundliche Ökofabel, in diese Fussstapfen treten. Der Film erzählt von der jungen Kéria, einer Angehörigen der auf Borneo indigenen Penan. Anders als viele ihrer Verwandten lebt sie mit ihrem Vater in der Stadt und nicht im Regenwald. Als sie ein verwaistes Orang-Utan-Junges findet und aufzieht, wird Kéria nicht nur mit ihrer eigenen Geschichte und ihren Wurzeln konfrontiert, sondern auch mit dem Kampf für das Überleben des Regenwaldes.
Inszeniert wurde die belgisch-französisch-schweizerische Koproduktion in einem eigens dafür gebauten Studiokomplex im Wallis. Das kostete viel Geld – das deutlich höhere Budget (5 Millionen mehr als noch bei Ma Vie de Courgette) ist spür- und sichtbar. Die stimmungsvoll ausgeleuchteten Dschungel-Landschaften stecken voller liebevoller kleiner Details, und auch animationstechnisch lässt der Film nichts zu wünschen übrig. Wenn es einen aktuellen Film gibt, der die Schönheit von Stop-Motion-Animation sichtbar macht, dann wohl dieser.
So bahnbrechend Sauvages visuell ist, so zahm ist Claude Barras’ Film jedoch erzählerisch. Inspiriert von den Taten des Schweizer Aktivisten Bruno Manser, der bei seinem Kampf gegen die Abholzung des Regenwaldes und für das Überleben der Penan auf Borneo verschollen ist, inszeniert der Walliser Filmemacher diese Geschichte als Appell an sein junges Publikum – und das etwas gar didaktisch. Rettet die Natur, um Himmels willen! Ein nuancierteres Drehbuch hätte diesem Film gutgetan, denn die Ecken und Kanten, die Ma Vie de Courgette so besonders gemacht haben, fehlen hier.
Und dabei haben wir noch gar nicht über die gesellschaftspolitische Komponente von Sauvages gesprochen, einem Film über ein indigenes Volk in Borneo, der unter Regie eines weissen Schweizers komplett in der Schweiz hergestellt wurde. Nein, vom Vorwurf der kulturellen Aneignung dürfte sich Barras vermutlich nicht so richtig freistrampeln können – trotz seiner Bemühungen, den Penan durch Einbezug von Vertreter_innen bei der Entstehung des Films gerecht zu werden. Letzten Endes ist es dann eben doch in erster Linie Barras’ Vision, die hier umgesetzt wird – und die zudem in sämtlichen wichtigen Positionen, sogar bei den Synchronstimmen, mit Nichtpenan besetzt wurde.
Wer sich von Sauvages einen ähnlich differenzierten Film erhofft wie Ma Vie de Courgette, dürfte daher enttäuscht werden. Technisch hingegen setzt der wohl schönste Schweizer Animationsfilm jedoch neue Massstäbe für das hiesige Trickfilmschaffen.
Nun soll Barras’ zweite Regiearbeit Sauvages, eine familienfreundliche Ökofabel, in diese Fussstapfen treten. Der Film erzählt von der jungen Kéria, einer Angehörigen der auf Borneo indigenen Penan. Anders als viele ihrer Verwandten lebt sie mit ihrem Vater in der Stadt und nicht im Regenwald. Als sie ein verwaistes Orang-Utan-Junges findet und aufzieht, wird Kéria nicht nur mit ihrer eigenen Geschichte und ihren Wurzeln konfrontiert, sondern auch mit dem Kampf für das Überleben des Regenwaldes.
Inszeniert wurde die belgisch-französisch-schweizerische Koproduktion in einem eigens dafür gebauten Studiokomplex im Wallis. Das kostete viel Geld – das deutlich höhere Budget (5 Millionen mehr als noch bei Ma Vie de Courgette) ist spür- und sichtbar. Die stimmungsvoll ausgeleuchteten Dschungel-Landschaften stecken voller liebevoller kleiner Details, und auch animationstechnisch lässt der Film nichts zu wünschen übrig. Wenn es einen aktuellen Film gibt, der die Schönheit von Stop-Motion-Animation sichtbar macht, dann wohl dieser.
So bahnbrechend Sauvages visuell ist, so zahm ist Claude Barras’ Film jedoch erzählerisch. Inspiriert von den Taten des Schweizer Aktivisten Bruno Manser, der bei seinem Kampf gegen die Abholzung des Regenwaldes und für das Überleben der Penan auf Borneo verschollen ist, inszeniert der Walliser Filmemacher diese Geschichte als Appell an sein junges Publikum – und das etwas gar didaktisch. Rettet die Natur, um Himmels willen! Ein nuancierteres Drehbuch hätte diesem Film gutgetan, denn die Ecken und Kanten, die Ma Vie de Courgette so besonders gemacht haben, fehlen hier.
Und dabei haben wir noch gar nicht über die gesellschaftspolitische Komponente von Sauvages gesprochen, einem Film über ein indigenes Volk in Borneo, der unter Regie eines weissen Schweizers komplett in der Schweiz hergestellt wurde. Nein, vom Vorwurf der kulturellen Aneignung dürfte sich Barras vermutlich nicht so richtig freistrampeln können – trotz seiner Bemühungen, den Penan durch Einbezug von Vertreter_innen bei der Entstehung des Films gerecht zu werden. Letzten Endes ist es dann eben doch in erster Linie Barras’ Vision, die hier umgesetzt wird – und die zudem in sämtlichen wichtigen Positionen, sogar bei den Synchronstimmen, mit Nichtpenan besetzt wurde.
Wer sich von Sauvages einen ähnlich differenzierten Film erhofft wie Ma Vie de Courgette, dürfte daher enttäuscht werden. Technisch hingegen setzt der wohl schönste Schweizer Animationsfilm jedoch neue Massstäbe für das hiesige Trickfilmschaffen.